Drauf gepfiffen

Wir alle haben bestimmt schon einmal jemandem hinterher gepfiffen; sei es, dass wir die Aufmerksamkeit auf uns lenken wollten, oder aus flirttechnischen Gründen. Auf der spanischen Insel La Gomera hat sich jedoch ein ganzes Kommunikationssystem in Form von Pfiffen ausgebildet. Diese vereinfachte Kommunikation, „El Silbo“ genannt, ermöglicht es den Sprechern, bestimmte Informationen über große Entfernungen schnell zu übertragen. Insgesamt können 2 Vokale und 4 Konsonanten wiedergegeben werden. Das reicht sicherlich nicht aus, um sich ausführlich über den letzten Urlaub zu unterhalten oder hochwissenschaftliche Reden zu halten, aber wichtige, kurze Informationen lassen sich so schnell und einfach vermitteln. Durch diese geringe Anzahl von Ausdrucksmöglichkeiten kann „El Silbo“ nicht als eigene Sprache angesehen werden, daher habe ich in diesem Beitrag bewusst den Begriff „Kommunikationssystem“ verwendet. Entwickelt hat sich dieses Kommunikationssystem schon vor mehreren Jahrhunderten auf der Insel, erste Erwähnungen sind ab dem 15. Jahrhundert vorhanden. Seitdem ist es mündlich von Generation zu Generation weitergetragen worden und konnte sich so bis heute erhalten.

Seit 2009 ist „El Silbo“ Bestandteil der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der Unesco. Mittlerweile ist „El Silbo“ sogar Pflichtfach an den Schulen auf der Insel und demnächst soll ein Lehrstuhl zur Erforschung und Weiterbildung von „El Silbo“ eingerichtet werden. Vielleicht entwickelt sich ja in ein Paar Jahrhunderten doch noch eine vollständige Sprache. 

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Pasta, Pinta und blaue Pants

Was haben eine Jeans, ein berühmtes Pesto und Christoph Kolumbus gemeinsam? Sie alle kommen aus Genua und haben von dort ihren Siegeszug durch die Welt gestartet.
Bei dem Pesto handelt es sich natürlich um das berühmte Pesto Genovese, das man auch selber leicht herstellen kann. Dazu benötigt man lediglich Basilikum, Pinienkerne, etwas Parmesankäse, Knoblauch sowie frisches Olivenöl. Alles miteinander in einem Mörser oder Zerkleinerer vermixen und fertig ist das Pesto. 

Christoph Kolumbus wurde tatsächlich um 1451 als Cristoforo Colombo in der Hafenstadt geboren, ehe er sich 1492 im Auftrag der spanischen Krone auf den Weg machte und auf dem Seeweg nach Indien eher zufällig Amerika entdeckte.

 Was aber haben jetzt die Blue-Jeans mit Genua zu tun? Die Antwort darauf ist relativ simpel. Als die ersten robusten Hosen entwickelt wurden, nahm man bevorzugt Stoff aus der italienischen Hafenstadt Genua, die in der Sprache der Mode, französisch, als Gênes bekannt ist. Aus der englischen Aussprache des „étoffe de Gênes“, also des Stoffes aus Genua entwickelte sich im Laufe der Zeit der Begriff Jeans. 

„Es“ ist der Wahnsinn

Das „S“ gehört für mich zu einem der interessantesten Buchstaben im Alphabet. Einerseits bestehen zumindest in der deutschen Sprache verschiedene Möglichkeiten, diesen Buchstaben richtig auszusprechen; was es nicht unbedingt leichter macht, die deutsche Sprache zu erlernen, andererseits existierte der dazugehörige Laut in drei verschiedenen schriftlichen Varianten. 

Da wäre zum einen das allseits bekannte „S,s“, das in der Fachsprache auch als rundes S bezeichnet wird. Hinzu kommt das „ß,ß“, das nun endlich auch als Großbuchstabe existiert. Die dritte Form ist im heutigen Schriftgebrauch nicht mehr vorhanden. Es handelt sich dabei um das so genannte „lange s“ oder Anlaut-s „ſ“. Wie der Name es vermuten lässt, wurde dieser Buchstabe innerhalb eines Wortes im Anlaut verwendet, so zum Beispiel um die „Wachs-tube“ von der Wach-ſtube zu unterscheiden.

Das heute noch verwendete „ß“ hat sich übrigens genau aus diesem alten Buchstaben entwickelt, indem das lange ſ mit der alten Schreibweise des „z“ mit einer Unterschlinge (ʒ )kombiniert worden ist. 

Eine Klasse für sich

Im europäischen Sprachraum haben sich im Laufe der Zeit bis zu drei grammatikalische Geschlechterrollen definiert, in die wir unsere Nomen einsortieren können. Die deutsche Sprache ist dabei schon mit 3 unterschiedlichen Geschlechtern, die auch noch von dem natürlichen Geschlecht abweichen können, schon eher ein Exot unter den Sprachen.

Es geht allerdings noch exotischer. Besonders in den Bantusprachen in Mittel- und Südafrika, aber auch in einigen Sprachen Mittel- und Südamerikas existieren so genannte Nominalklassen. Diese Klassen teilen Nomen Aufgrund ihrer Bedeutung oder ihrer Art in verschiedene Klassen ein. In den Mixtexsprachen in Mexiko existieren z.B. mehr als 8 dieser Klassen, die allerdings nie vollständig in einem Dialekt vorkommen. Insgesamt sprechen rund 480.000 Menschen diese Sprache, die sich dabei allerdings auf mehrere Dialekte verteilt. Die einzelnen Dialekte weichen teilweise so stark voneinander ab, dass eine Kommunikation untereinander kaum möglich ist.

Die Klassen unterteilen Objekte und Personen in verschiedene Gruppen ein. Dabei wird neben der üblichen Unterscheidung zwischen männlich und weiblich auch zwischen jung und alt sowie zwischen menschlich und tierisch, heiligen Gegenständen, Flüssigkeiten und nicht animalischen Gegenständen unterschieden. Für jede Klasse existiert ein entsprechender Klassifizierer, der an das Nomen angehängt wird, sowie ein eigenes Pronomen.

Für das Diuxi Mixtex sieht das Ganze dann wie folgt aus:

Bei so vielen Klassen bleibe ich doch lieber bei unseren drei grammatikalischen Geschlechtern, auch wenn diese nicht immer den natürlichen Geschlechtern folgen.

Ein Laut der Stille

Ich euch schonmal aufgefallen, dass der Sprechfluss von schweizerdeutschen Sprecher*Innen sich irgendwie fließender und gebundener anhört als der Sprechfluss von deutschen Sprecher*Innen? Ein Grund dafür liegt im so genannten „Verschlusslaut“ oder „Glottisschlag“, der typisch ist bei der Aussprache von Vokalen in der  hochdeutschen oder standarddeutschen Sprache. Gemeint ist damit dieser kurze Verschluss im Gaumen, der verwendet wird, sobald ein Vokal zum Beginn eines Wortes oder zum Beginn einer Komposition auftritt. Der Glottisschlag kann dabei sogar wortendscheidende Veränderungen bewirken, wie z.B. in den beiden Begriffen (das) Spiegelei und (die) Spiegelei. Auch wenn man mit dem zweiten Begriff nicht unbedingt etwas anfangen kann, so wird er vermutlich unbewusst anders ausgesprochen werden als der erste.

Das Sprachphänomen des Glottisschlags tritt auch in anderen Sprachen auf, allerdings häufig in einem anderen Zusammenhang. Der Stød im Dänischen z.B. wird tatsächlich verwendet um grafisch, also schriftsprachlich gleiche Wörter phonetisch unterschiedlich zu realisieren. So werden einige Nomen und die dazugehörigen Verben, wie z.B. /læser/ dt. lesen oder Leser lediglich durch den Stød unterscheidbar. Auch die englische Sprache kennt den Glottisschlag, der besonders in dem als vornehm geltenden Londoner Cockney-Dialekt zum Ausdruck kommt. Hier wird er allerdings als Ersatzlaut für ein eigentlich zu erwartendes [t] verwendet. In der hebräischen und arabischen Sprache existieren sogar tatsächliche Schriftzeichen, die die Verwendung eines Glottissschlags im Wort anzeigen. So existiert im Hebräischen der Buchstabe Alef (א) sowie im Arabischen der Buchstabe Hamza (ء) um diesen Laut grafisch darzustellen.

 

 

Der Ursprung der Sprache

Wie entsteht eigentlich eine Sprache? Und kann sich in unserer modernen Welt überhaupt noch eine neue Sprache entwickeln? Diesen Fragen ist jetzt eine Forschungsgruppe am Max-Plank-Institut für Menschheitsgeschichte auf den Grund gegangen. Konkret möchten die Wissenschaftler herausfinden, wie sich ursprüngliche Kommunikationsmethoden zu realen und vollständigen Sprachen entwickeln konnten.

Um erste Anhaltspunkte zu erhalten, gehen die Forscher des Institunts ganz neuen Wege. Sie haben eine App entwickelt, in der die Spieler anhand von Symbolen eine Farbe beschreiben sollen. Dabei kann man entweder selber ein Farbrätsel erstellen oder die Farbrätsel anderer Mitspieler lösen. Richtige oder falsche Antworten gibt es dabei nicht. Das klingt vielleicht zu Beginn etwas ungewöhnlich, scheint aber tatsächlich zu funktionieren. So scheinen die zu Beginn willkürlich ausgewählten Symbole mit der Zeit immer stärker an Bedeutung zu gewinnen und zu vergleichbaren Assoziationen zu den wählbaren Farben zu führen.

Wer mehr über das Spiel und die Idee dahinter erfahren möchte, sollte sich den entsprechenden Artikel auf den Seiten des Instituts durchlesen. Dort findet ihr auch den entsprechenden link zum App-Store für Apple oder zum Play-Store für Android um euch die App kostenlos herunterladen zu können.

Quelle: https://www.mpg.de/12037745/color-game-app-sprachforschung

Da brat mir doch einer einen Storch

Jetzt ist schon wieder eine Woche vorbei und ich konnte mich nicht dazu aufraffen, etwas Neues zu veröffentlichen. Mea maxima culpa!

Heute geht es dafür zur Abwechslung mal in die Welt der Sprichwörter. Im übertragenen Sinn steht das Sprichwort „da brat mir einer einen Storch“ ja als Ausdruck für Verwunderung oder Überraschung. Warum aber soll ausgerechnet Meister Adebar in der Pfanne landen? Der Grund dafür liegt in der besonderen Bedeutung von Störchen in Fabeln und Märchen. Dort galten die Störche als Glücksbringer und Symbole der Fruchtbarkeit. Einen Storch zu braten galt demnach als unglücksbringend, in der Bibel ist der Verzehr von Störchen sogar ausdrücklich verboten (Lev 11;19).

Bevor also einer einen Storch brät, muss schon etwas sehr Ungewöhnliches passiert sein, eben wie der viel zu schnell eingetretene Abschluss der Woche.