Sprecherziehung 2.0

Ich wohne in einer Stadt, in der es durchaus sinnvoll ist, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Und so bin auch ich ein regelmäßiger Nutzer unserer U-Bahnlinien. Natürlich bekommt man dadurch auch immer wieder sehr interessante Gespräche mit. Solch ein Gespräch ist mir letzte Woche zu Ohren gekommen und nachhaltig im Gedächtnis hängen geblieben:
Eine Horde Schüler/-innen war offensichtlich zu einem Klassenausflug unterwegs gewesen, als eine Lehrerin mit einer Schülerin ins Gespräch kam. Es ging wohl um die Abwesenheit der Schülerin in der letzten Unterrichtsstunde. Auf die Frage der Lehrerin, wo denn die Schülerin gewesen sei, antwortete diese mit den Worten: „Ich war Krankenhaus“. Die Lehrkraft hätte nun mehrere Möglichkeiten gehabt, fortzufahren. sie hätte den grammatikalischen Fehler ignorieren können. Sie hätte auch die Lehrerin auspacken können, und die Schülerin in bester „Das-heißt-im-Krankenhaus“- Manier verbessern können. Sie hat sich aber für eine Methode entschieden, die ich persönlich für die sinnvollste und pädagogisch wertvollste erachte: Sie hat die Schülerin in ein Frage-Antwort-Spiel verwickelt.
Leider bekomme ich den genauen Zusammenhang nicht mehr hin, es ging jedenfalls um die Frage, was denn der sinngemäße Unterschied zwischen der Aussage „Ich bin etwas“ und „ich bin in etwas“ sei. Es hat keine 5 Minuten gedauert, bis die Schülerin erkannt hat, dass sie sich sicherlich nicht in ein Gebäude verwandelt hat und ich hatte das Gefühl, dass sie zum ersten Mal verstanden hat, warum die eine Variante sinnvoll ist, und die andere eher nicht.
Wenn ich die Diskussionen über unsere Schule und die Unterrichtsgestaltung so mitbekomme, fällt mir auf, dass es wohl immer noch an der Tagesordnung ist, dass man den Kindern Regeln diktiert, die diese dann auswendig lernen müssen. Ich denke, es wäre tatsächlich deutlich sinnvoller, die Zusammenhänge dieser Regeln zu erklären, auch wenn diese Form des Unterrichts sicherlich etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt. Diese Zeit sollten wir uns meines Erachtens aber nehmen. Sie zahlt sich spätestens dann aus, wenn man in höheren Klassen weniger Grundprinzipien der Sprache wiederholen muss, da sich diese durch logische Verknüpfungen bei den meisten Kindern gefestigt haben dürften.

 

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