Eine Klasse für sich

Im europäischen Sprachraum haben sich im Laufe der Zeit bis zu drei grammatikalische Geschlechterrollen definiert, in die wir unsere Nomen einsortieren können. Die deutsche Sprache ist dabei schon mit 3 unterschiedlichen Geschlechtern, die auch noch von dem natürlichen Geschlecht abweichen können, schon eher ein Exot unter den Sprachen.

Es geht allerdings noch exotischer. Besonders in den Bantusprachen in Mittel- und Südafrika, aber auch in einigen Sprachen Mittel- und Südamerikas existieren so genannte Nominalklassen. Diese Klassen teilen Nomen Aufgrund ihrer Bedeutung oder ihrer Art in verschiedene Klassen ein. In den Mixtexsprachen in Mexiko existieren z.B. mehr als 8 dieser Klassen, die allerdings nie vollständig in einer Sprache vorkommen. Dabei wird neben der üblichen Unterscheidung zwischen männlich und weiblich auch zwischen jung und alt sowie zwischen menschlich und tierisch, heiligen Gegenständen, Flüssigkeiten und nicht animalischen Gegenständen unterschieden. Für jede Klasse existiert ein entpsrechender Klassifizierer, der an das Nomen angehängt wird, sowie ein eigenes Pronomen.

Bei so vielen Klassen bleibe ich doch lieber bei unseren drei grammatikalischen Geschlechtern, auch wenn diese nicht immer den natürlichen Geschlechtern folgen.

 

 

Ein Laut der Stille

Ich euch schonmal aufgefallen, dass der Sprechfluss von schweizerdeutschen Sprecher*Innen sich irgendwie fließender und gebundener anhört als der Sprechfluss von deutschen Sprecher*Innen? Ein Grund dafür liegt im so genannten „Verschlusslaut“ oder „Glottisschlag“, der typisch ist bei der Aussprache von Vokalen in der  hochdeutschen oder standarddeutschen Sprache. Gemeint ist damit dieser kurze Verschluss im Gaumen, der verwendet wird, sobald ein Vokal zum Beginn eines Wortes oder zum Beginn einer Komposition auftritt. Der Glottisschlag kann dabei sogar wortendscheidende Veränderungen bewirken, wie z.B. in den beiden Begriffen (das) Spiegelei und (die) Spiegelei. Auch wenn man mit dem zweiten Begriff nicht unbedingt etwas anfangen kann, so wird er vermutlich unbewusst anders ausgesprochen werden als der erste.

Das Sprachphänomen des Glottisschlags tritt auch in anderen Sprachen auf, allerdings häufig in einem anderen Zusammenhang. Der Stød im Dänischen z.B. wird tatsächlich verwendet um grafisch, also schriftsprachlich gleiche Wörter phonetisch unterschiedlich zu realisieren. So werden einige Nomen und die dazugehörigen Verben, wie z.B. /læser/ dt. lesen oder Leser lediglich durch den Stød unterscheidbar. Auch die englische Sprache kennt den Glottisschlag, der besonders in dem als vornehm geltenden Londoner Cockney-Dialekt zum Ausdruck kommt. Hier wird er allerdings als Ersatzlaut für ein eigentlich zu erwartendes [t] verwendet. In der hebräischen und arabischen Sprache existieren sogar tatsächliche Schriftzeichen, die die Verwendung eines Glottissschlags im Wort anzeigen. So existiert im Hebräischen der Buchstabe Alef (א) sowie im Arabischen der Buchstabe Hamza (ء) um diesen Laut grafisch darzustellen.

 

 

Der Ursprung der Sprache

Wie entsteht eigentlich eine Sprache? Und kann sich in unserer modernen Welt überhaupt noch eine neue Sprache entwickeln? Diesen Fragen ist jetzt eine Forschungsgruppe am Max-Plank-Institut für Menschheitsgeschichte auf den Grund gegangen. Konkret möchten die Wissenschaftler herausfinden, wie sich ursprüngliche Kommunikationsmethoden zu realen und vollständigen Sprachen entwickeln konnten.

Um erste Anhaltspunkte zu erhalten, gehen die Forscher des Institunts ganz neuen Wege. Sie haben eine App entwickelt, in der die Spieler anhand von Symbolen eine Farbe beschreiben sollen. Dabei kann man entweder selber ein Farbrätsel erstellen oder die Farbrätsel anderer Mitspieler lösen. Richtige oder falsche Antworten gibt es dabei nicht. Das klingt vielleicht zu Beginn etwas ungewöhnlich, scheint aber tatsächlich zu funktionieren. So scheinen die zu Beginn willkürlich ausgewählten Symbole mit der Zeit immer stärker an Bedeutung zu gewinnen und zu vergleichbaren Assoziationen zu den wählbaren Farben zu führen.

Wer mehr über das Spiel und die Idee dahinter erfahren möchte, sollte sich den entsprechenden Artikel auf den Seiten des Instituts durchlesen. Dort findet ihr auch den entsprechenden link zum App-Store für Apple oder zum Play-Store für Android um euch die App kostenlos herunterladen zu können.

Quelle: https://www.mpg.de/12037745/color-game-app-sprachforschung

Da brat mir doch einer einen Storch

Jetzt ist schon wieder eine Woche vorbei und ich konnte mich nicht dazu aufraffen, etwas Neues zu veröffentlichen. Mea maxima culpa!

Heute geht es dafür zur Abwechslung mal in die Welt der Sprichwörter. Im übertragenen Sinn steht das Sprichwort „da brat mir einer einen Storch“ ja als Ausdruck für Verwunderung oder Überraschung. Warum aber soll ausgerechnet Meister Adebar in der Pfanne landen? Der Grund dafür liegt in der besonderen Bedeutung von Störchen in Fabeln und Märchen. Dort galten die Störche als Glücksbringer und Symbole der Fruchtbarkeit. Einen Storch zu braten galt demnach als unglücksbringend, in der Bibel ist der Verzehr von Störchen sogar ausdrücklich verboten (Lev 11;19).

Bevor also einer einen Storch brät, muss schon etwas sehr Ungewöhnliches passiert sein, eben wie der viel zu schnell eingetretene Abschluss der Woche.

Ich klebe euch eine

Unkameradschaftlichkeit. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit diesem Wort mal einen Blogeintrag beginnen werde. Tatsächlich ist der Begriff ein Phänomen, steht er doch im Duden als längstes deutsches, nicht zusammengesetztes Wort.

Bei Wortzusammensetzungen oder Wortkomposita ist die deutsche Sprache erbarmungslos, zumindest wenn es um Substantive geht. Jeder hat wohl schon einmal die Donaudampschifffahrtsgesellschaftskapitainsausbildungsvergütungsverordnungskommission gelesen. Es gibt allerdings Sprachen, die sind in Sachen Zusammensetzung noch effizienter als die deutsche Sprache. So genannte agglutinierende Sprachen können durch das Ansetzen von Suffixen und Präfixen an ein Wort dessen grammatikalische Bedeutung verändern und so ganze Sätze in einen Begriff zusammenfassen.

Die türkische Sprache ist ein schönes Beispiel für eine solche grammatikalische Eigenschaft:

Das Wort ‚ev‘ bedeutet übersetzt „Haus“. Hängt man jetzt ein -er als Suffix, erhält man ‚evler‘, Häuser. Ein weiteres Suffix -im verändert die Bedeutung zu ‚evlerim‘, meine Häuser. Ein letztes Suffix -de sorgt schließlich dafür, dass der Begriff ‚evlerimde‘  mit „in meinen Häusern“ übersetzt werden kann. Wo die deutsche Sprache also drei Wörter mit drei unterschiedlichen grammatikalischen Funktionen nutzen muss, hängt die türkische Sprache einfach Suffixe an den Stamm um einen vergleichbaren Ausdruck zu erzielen.

Ein weiteres schönes Beispiel ist der Filmtitel eines türkischen Films: Uçurtmayı vurmasınlar, der in der deutschen Übersetzung als „Sie sollen den Drachen nicht runterschießen“ betitelt worden ist.

Der türkische Titel besteht dabei aus folgenden Wörtern:

ucurt – Drache

ma – nicht

yi – den

vur – schießen

ma – Verneinung

sin – sein

lar – Plural

Bei so vielen Informationen in einem Begriff kann selbst das längste deutsche Kompositum nicht mehr mithalten.

Sprachverfall vs. Sprachwandel

Immer wieder höre und lese ich, dass die Jugend von heute nicht mehr in der Lage ist, sich „richtig“ auszudrücken. Der so genannte „Sprachverfall“ alarmiert die Gelehrten, die sich um das Aussterben der deutschen Sprache fürchten. Ich frage mich allerdings, ob diese befürchteten Horrorszenarien wirklich so schlimm ausfallen werden. Tatsächlich scheint besonders die Schriftsprache durch den Umgang mit den neuen Medien und Spracherkennungsprogrammen uneinheitlicher und ungenauer zu werden; eine Entwicklung, der man sicher stärker entgegenwirken sollte. Unsere Sprache an sich verfällt dadurch aber sicherlich nicht. Sprache an sich unterliegt einem ständigen Wandel, Begriffe werden neu interpretiert, fallen weg oder kommen durch Kontakt mit anderen Sprachen hinzu. Kaum eine Sprache, abgesehen von vereinzelten Inselsprachen wie isländisch bleibt über mehrere Jahrhunderte konstant.

Schauen wir uns unsere eigene Sprache an, werden wir auch feststellen, dass sie sich über die Jahrhunderte stark verändert hat. Angefangen bei den Minnegesängen von Walther von der Vogelweide über die erste deutsche Ausgabe der Bibel von Martin Luther bis hin zu Goethe, Brecht und Härtling ist doch eine deutliche Veränderung in der Sprache zu erkennen. Diese Veränderungen werden sich auch in Zukunft sehen lassen. Sicherlich ist es sehr ungewohnt, dass wir einen Teil unserer Gefühle neuerdings mit Smileys und Emoticons zum Ausdruck bringen. Aber auch das kann nach meiner Ansicht, wenn wir es denn zu lassen, zu einem festen Teil unserer Sprachkultur werden, ohne dass unsere Sprache dadurch verfallen würde.

Sprache ist etwas Wunderbares und wir sollten darauf achten, dass sie in sich einheitlich und verständlich bleibt. Gleichzeitig ist es schön, wenn altertümlich wirkende Begriffe wie blümerant oder Brimborium weitergegeben werden. Aber wir sollten uns auch nicht vor neuen Ausdrucksmöglichkeiten, neuen Begriffen oder neuen Ausdrücken verschließen. Sprache ist lebendig und wird es immer bleiben.

In diesem Sinne noch ein Bild, in dem ein tatsächlicher Sprachverfall deutlich erkennbar ist.

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In den Farbtopf gefallen

Habt ihr euch auch schon einmal Gedanken gemacht, ob das Blau das ihr seht, das gleiche Blau ist das andere sehen? Oder wie würdet ihr folgenden Farbton definieren?

Unbenannt

Quelle: http://chir.ag/projects/name-that-color/#698791

Die Welt der Farben ist auch aus sprachlicher Sicht eine faszinierende Welt. Tatsächlich werden die einzelnen Farben oder Farbtöne in den verschiedenen Sprachfamilien durchaus unterschiedlich behandelt. So kennt das Russische wie auch das Italienische einen sprachlichen Unterschied zwischen hellen Blautönen und dunklen Blautönen.

Brent Berlin und Paul Kay haben in den 1960er Jahren Forschungen durchgeführt, wie sich die Begriffe für Farben in verschiedenen Sprachen zusammensetzen. Und sie haben eine interessante Entdeckung gemacht. Offensichtlich existiert ein Muster, wie sich Begriffe für verschiedene Farben entwickeln. Demnach existieren 5 Stufen in denen sich die Grundfarben in den verschiedenen Sprachen entwickelt haben, angefangen bei zwei Grundfarben bis hin zu sechs und mehr Grundfarben. Die größte Anzahl von Grundfarben liegt demnach bei 12 unterschiedlichen Bezeichnungen.

Bei der Entwicklung der Unterscheidungen scheint es dabei eine Reihenfolge zu geben. Angefangen bei einer einfachen Unterscheidung zwischen hell und dunkel über die Unterscheidung zwischen weiß, rot oder gelb, schwarz oder grün oder blau, bis hin zur Unterscheidung zwischen weiß, rot, grün, gelb, blau und schwarz.

Berlin und Kay stellten dazu folgende Regeln auf:

  1. Alle Sprachen haben ein Wort für schwarz und weiß.
  2. Besitzt eine Sprache drei unterschiedliche Farbwörter, dann bezeichnet das dritte Farbwort die Farbe rot.
  3. Existieren vier unterschiedliche Farbwörter in einer Sprache, dann bezeichnet das vierte Wort entweder die Farbe grün oder gelb aber niemals beide Farben.
  4. Bei fünf unterschiedlichen Farbwörtern existiert sowohl ein Wort für die Farbe gelb als auch für die Farbe grün.
  5. Die Farbe blau kommt erst bei Sprachen mit sechs unterschiedlichen Farbwörtern vor.
  6. Wenn eine Farbe sieben Farbwörter kennt, dann existiert ein Wort für die Farbe braun.
  7. Bei acht oder mehr Bezeichnungen für unterschiedliche Farbtöne existieren letztendlich eigene Begriffe für purpur, pink, orange oder grau.
(Berlin, Brent and Kay, Paul. 1969. Basic Color Terms: their Universality and Evolution. Berkeley and Los Angeles: University of California Press.)

Aus physikalischer Sicht sehen wir alle die gleichen Farben bzw. die gleichen Wellenlängen von Licht, denn nichts Anderes ist „Farbe“. Aber dennoch scheint es einen Unterschied in der Wahrnehmung der einzelnen Farben zu geben, die sich auch in der Benennung der Farbtöne widerspiegelt.

Ich persönlich würde den Farbton übrigens als Stahlblau bezeichnen. Die Webseite, von der ich den Ausschnitt habe, benennt die Farbe als Juniper Green, also Wacholdergrün.