Ich klebe euch eine

Unkameradschaftlichkeit. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit diesem Wort mal einen Blogeintrag beginnen werde. Tatsächlich ist der Begriff ein Phänomen, steht er doch im Duden als längstes deutsches, nicht zusammengesetztes Wort.

Bei Wortzusammensetzungen oder Wortkomposita ist die deutsche Sprache erbarmungslos, zumindest wenn es um Substantive geht. Jeder hat wohl schon einmal die Donaudampschifffahrtsgesellschaftskapitainsausbildungsvergütungsverordnungskommission gelesen. Es gibt allerdings Sprachen, die sind in Sachen Zusammensetzung noch effizienter als die deutsche Sprache. So genannte agglutinierende Sprachen können durch das Ansetzen von Suffixen und Präfixen an ein Wort dessen grammatikalische Bedeutung verändern und so ganze Sätze in einen Begriff zusammenfassen.

Die türkische Sprache ist ein schönes Beispiel für eine solche grammatikalische Eigenschaft:

Das Wort ‚ev‘ bedeutet übersetzt „Haus“. Hängt man jetzt ein -er als Suffix, erhält man ‚evler‘, Häuser. Ein weiteres Suffix -im verändert die Bedeutung zu ‚evlerim‘, meine Häuser. Ein letztes Suffix -de sorgt schließlich dafür, dass der Begriff ‚evlerimde‘  mit „in meinen Häusern“ übersetzt werden kann. Wo die deutsche Sprache also drei Wörter mit drei unterschiedlichen grammatikalischen Funktionen nutzen muss, hängt die türkische Sprache einfach Suffixe an den Stamm um einen vergleichbaren Ausdruck zu erzielen.

Ein weiteres schönes Beispiel ist der Filmtitel eines türkischen Films: Uçurtmayı vurmasınlar, der in der deutschen Übersetzung als „Sie sollen den Drachen nicht runterschießen“ betitelt worden ist.

Der türkische Titel besteht dabei aus folgenden Wörtern:

ucurt – Drache

ma – nicht

yi – den

vur – schießen

ma – Verneinung

sin – sein

lar – Plural

Bei so vielen Informationen in einem Begriff kann selbst das längste deutsche Kompositum nicht mehr mithalten.

Sprachverfall vs. Sprachwandel

Immer wieder höre und lese ich, dass die Jugend von heute nicht mehr in der Lage ist, sich „richtig“ auszudrücken. Der so genannte „Sprachverfall“ alarmiert die Gelehrten, die sich um das Aussterben der deutschen Sprache fürchten. Ich frage mich allerdings, ob diese befürchteten Horrorszenarien wirklich so schlimm ausfallen werden. Tatsächlich scheint besonders die Schriftsprache durch den Umgang mit den neuen Medien und Spracherkennungsprogrammen uneinheitlicher und ungenauer zu werden; eine Entwicklung, der man sicher stärker entgegenwirken sollte. Unsere Sprache an sich verfällt dadurch aber sicherlich nicht. Sprache an sich unterliegt einem ständigen Wandel, Begriffe werden neu interpretiert, fallen weg oder kommen durch Kontakt mit anderen Sprachen hinzu. Kaum eine Sprache, abgesehen von vereinzelten Inselsprachen wie isländisch bleibt über mehrere Jahrhunderte konstant.

Schauen wir uns unsere eigene Sprache an, werden wir auch feststellen, dass sie sich über die Jahrhunderte stark verändert hat. Angefangen bei den Minnegesängen von Walther von der Vogelweide über die erste deutsche Ausgabe der Bibel von Martin Luther bis hin zu Goethe, Brecht und Härtling ist doch eine deutliche Veränderung in der Sprache zu erkennen. Diese Veränderungen werden sich auch in Zukunft sehen lassen. Sicherlich ist es sehr ungewohnt, dass wir einen Teil unserer Gefühle neuerdings mit Smileys und Emoticons zum Ausdruck bringen. Aber auch das kann nach meiner Ansicht, wenn wir es denn zu lassen, zu einem festen Teil unserer Sprachkultur werden, ohne dass unsere Sprache dadurch verfallen würde.

Sprache ist etwas Wunderbares und wir sollten darauf achten, dass sie in sich einheitlich und verständlich bleibt. Gleichzeitig ist es schön, wenn altertümlich wirkende Begriffe wie blümerant oder Brimborium weitergegeben werden. Aber wir sollten uns auch nicht vor neuen Ausdrucksmöglichkeiten, neuen Begriffen oder neuen Ausdrücken verschließen. Sprache ist lebendig und wird es immer bleiben.

In diesem Sinne noch ein Bild, in dem ein tatsächlicher Sprachverfall deutlich erkennbar ist.

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In den Farbtopf gefallen

Habt ihr euch auch schon einmal Gedanken gemacht, ob das Blau das ihr seht, das gleiche Blau ist das andere sehen? Oder wie würdet ihr folgenden Farbton definieren?

Unbenannt

Quelle: http://chir.ag/projects/name-that-color/#698791

Die Welt der Farben ist auch aus sprachlicher Sicht eine faszinierende Welt. Tatsächlich werden die einzelnen Farben oder Farbtöne in den verschiedenen Sprachfamilien durchaus unterschiedlich behandelt. So kennt das Russische wie auch das Italienische einen sprachlichen Unterschied zwischen hellen Blautönen und dunklen Blautönen.

Brent Berlin und Paul Kay haben in den 1960er Jahren Forschungen durchgeführt, wie sich die Begriffe für Farben in verschiedenen Sprachen zusammensetzen. Und sie haben eine interessante Entdeckung gemacht. Offensichtlich existiert ein Muster, wie sich Begriffe für verschiedene Farben entwickeln. Demnach existieren 5 Stufen in denen sich die Grundfarben in den verschiedenen Sprachen entwickelt haben, angefangen bei zwei Grundfarben bis hin zu sechs und mehr Grundfarben. Die größte Anzahl von Grundfarben liegt demnach bei 12 unterschiedlichen Bezeichnungen.

Bei der Entwicklung der Unterscheidungen scheint es dabei eine Reihenfolge zu geben. Angefangen bei einer einfachen Unterscheidung zwischen hell und dunkel über die Unterscheidung zwischen weiß, rot oder gelb, schwarz oder grün oder blau, bis hin zur Unterscheidung zwischen weiß, rot, grün, gelb, blau und schwarz.

Berlin und Kay stellten dazu folgende Regeln auf:

  1. Alle Sprachen haben ein Wort für schwarz und weiß.
  2. Besitzt eine Sprache drei unterschiedliche Farbwörter, dann bezeichnet das dritte Farbwort die Farbe rot.
  3. Existieren vier unterschiedliche Farbwörter in einer Sprache, dann bezeichnet das vierte Wort entweder die Farbe grün oder gelb aber niemals beide Farben.
  4. Bei fünf unterschiedlichen Farbwörtern existiert sowohl ein Wort für die Farbe gelb als auch für die Farbe grün.
  5. Die Farbe blau kommt erst bei Sprachen mit sechs unterschiedlichen Farbwörtern vor.
  6. Wenn eine Farbe sieben Farbwörter kennt, dann existiert ein Wort für die Farbe braun.
  7. Bei acht oder mehr Bezeichnungen für unterschiedliche Farbtöne existieren letztendlich eigene Begriffe für purpur, pink, orange oder grau.
(Berlin, Brent and Kay, Paul. 1969. Basic Color Terms: their Universality and Evolution. Berkeley and Los Angeles: University of California Press.)

Aus physikalischer Sicht sehen wir alle die gleichen Farben bzw. die gleichen Wellenlängen von Licht, denn nichts Anderes ist „Farbe“. Aber dennoch scheint es einen Unterschied in der Wahrnehmung der einzelnen Farben zu geben, die sich auch in der Benennung der Farbtöne widerspiegelt.

Ich persönlich würde den Farbton übrigens als Stahlblau bezeichnen. Die Webseite, von der ich den Ausschnitt habe, benennt die Farbe als Juniper Green, also Wacholdergrün.

 

Deutsche Sprache schwere Sprache

Am 2. Samstag im September wird seit 2001 der Tag der deutschen Sprache gefeiert. Ausgerufen vom Verein Deutsche Sprache sollte der Tag in erster Linie das Bewusstsein für unnötige Anglizismen schärfen. Mittlerweile soll der Tag auch genutzt werden, um unseren Blick für die deutsche Sprache und ihren Wandel zu schärfen.

Für mich ist das heute ein Grund, mich mal mit dem Begriff „Leichte Sprache“ zu beschäftigen. Unter diesem Schlagwort sollen besonders staatliche Institutionen auf ihren Internetauftritten dafür sorgen, dass die Informationen auch für Menschen mit einer Leseschwäche verständlich sind. Zu den Kriterien für leichte Sprache gehören unter Anderem die Vermeidung von Fremdwörtern kurze Wörter und Sätze, sowie die Verwendung von möglichst viele Verben.

Was im Internet schon erstaunlich gut funktioniert, klappt offline leider bis heute nur sehr unzureichend. Viele Anträge und Bescheide sind weiterhin in einem Kauderwelsch ausgedrückt, das einem sprichwörtlich die Sprache verschlägt. Gerade hier sollte es doch aber möglich und erforderlich sein, dass Alle sofort verstehen, was sie gerade ausfüllen.

Ich habe mal meine 10 Favoriten zum Thema Beamtendeutsch zusammengefasst und bin mal gespannt, ob ihr erkennt was damit eigentlich gemeint ist:

  1. Spontanvegetation
  2. nicht lebende Einfriedung
  3. bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt
  4. Einachsiger Dreiseitenkipper
  5. Fernmündliche Abklärung noch offen stehender Fragen
  6. Personenvereinzelungsanlage
  7. Betriebsmittelaufnahme
  8. Raufutter verzehrende Großvieheinheit
  9. Lebensberechtigungsbescheinigung
  10. Grundstücksentwässerungsanlage

Habt ihr alles verstanden? Wenn ja, steht euch einer Karriere als Beamte wohl nichts mehr im Weg oder ihr wisst, wie man eine bekannte Suchmaschine bedient.

 

Ich habe einen Plan

Ludwik Lejzer Zamenhof hatte einen Plan und dieser sollte die Sprachwelt verändern. Geboren als Sohn jüdischer Eltern im damaligen Russischen Zarenreich und beeinflusst von den vielen unterschiedlichen Ethnien und sprachlichen Einflüssen in seiner Heimatstadt interessierte er sich schon früh für andere Sprachen. Gleichzeitig sah er immer neue aufbrodelnde Konflikte, die er selbst hauptsächlich auf das Fehlen einer gemeinsamen Sprache und die daraus resultierenden Verständigungsprobleme zurückführte.Mit dem Ziel, diese Konflikte zu beenden, begann Zamenhof schon früh damit, eine eigene Plansprache zu entwickeln. Sie sollte einfach zu erlernen und möglichst neutral aufgebaut sein, damit alle Menschen die gleichen Voraussetzungen zum Erlernen der Sprache hätten. Im Laufe der Zeit konkretisierte er seinen Plan, bis er 1887 letztendlich sein Sprachprojekt unter dem Namen “ Lingvo internacia“ veröffentlichte.Bald darauf entwickelte die Sprache eine Eigendynamik und so entstand unter der schnell wachsenden Anhängerschaft der Name „Esperanto“, abgeleitet vom selbst gewählten Pseudonym Zamenhofs, „Dr. Esperanto“ (dt. Hoffender).

Heutzutage gehört Esperanto zu den bedeutendsten und bekanntesten Plansprachen weltweit. Auch wenn die Sprache selbst in keinem Land der Welt einen offiziellen Status hat, wir die Zahl der Sprecher aktuell auf etwa 100.000 weltweit geschätzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Plansprachen kann Esperanto so auf eine andauernde Geschichte zurückblicken und es sieht ganz danach aus, dass uns diese Plansprache wohl langfristig erhalten bleibt. Das Geheimnis dieses Erfolgs liegt wohl in der Regelmäßigkeit der Sprache. Anders als natürlich entstandene Sprachen und anders als die meisten anderen Plansprachen besitzt das Esperanto eine regelmäßige Grammatik ohne Ausnahmen sowie eine klare Morphem-Graphem-Relation, also einer eindeutigen Zuordnung eines Buchstabens zu einem bestimmten Laut. So lassen sich grammatikalische und phonologische Regeln schnell einprägen und anwenden.

Trotz aller Erfolge hat auch Esperanto allerdings einen kleinen Haken. Die Sprache orientiert sich sehr an den europäischen Sprachfamilien. Asiatische oder afrikanische Einflüsse sind so gut wie gar nicht zu finden. Dennoch hat Esperanto es geschafft, sich bis heute zu halten und wer weiß, vielleicht macht sich auch hier früher oder später ein Sprachwandel bemerkbar und irgendwann können wir hier wirklich von einer „Weltsprache“ reden.

 

 

 

 

 

Auf einer Linie

Meine Heimatstadt Düsseldorf ist bekannt für Altbier, die Kö, Schickimicki (wobei das nur ein Gerücht ist) und eine Fahstuhlmannschaft der Fussballbundesliga der Herren. Sie, beziehungsweise ein Stadtteil ist allerdings auch Namensgeber einer Sprachgrenze, einer so genannten Isoglosse der deutschen Sprache. Als Sprachgrenze werden Regionen bezeichnet, in denen zwei Ausprägungen eines sprachlichen Merkmals der selben Grundsprache aufeinander treffen.

Im Falle der Benrather Linie treffen hier die hochdeutschen Sprachvarianten auf die niederdeutschen Sprachvarianten. Sie bildet gemeinsam mit der Uerdinger Linie ein gemeinsames Sprachgrenzenbündel.

Was heißt das genau? Sehr einfach lässt sich diese Sprachgrenze mit der Lautverschiebung k –> ch verbinden.  Nördlich der Benrather Linie gab und gibt es zum Beispiel die Wörter „maake“ für <machen>, „ick“ oder „eck“ für <ich> und „hopen“ für <hoffen>.

Wer aufgepasst hat wird feststellen, dass sich viele Begriffe der englischen Sprache ähneln. Auch dort hat die zweite Lautverschiebung ihre Spuren hinterlassen. So kann es sein, dass sich ein Sprecher der plattdeutschen Sprache und ein Sprecher der englischen Sprache relativ gut miteinander verständigen können, ohne ihre eigene Sprache zu wechseln.

Leider trifft auch hier der Sprachwandel in den Vordergrund, sodass sich auch die plattdeutsche Sprache immer stärker dem Hochdeutschen annähert. Wer allerdings genau hinsieht, findet immer wieder einige Überbleibsel dieser Abgrenzungen. So findet sich in Urdenbach etwas südlich von Benrath die Bücher Straße, die an der so genannten „Böke Pomp“ vorbeiläuft.

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Altes Rathaus der ehemals unabhängigen Stadt Benrath

Der Rubel rollt

Die weltweite Wirtschaft scheint aus den Fugen zu geraten und die unterschiedlichsten Währungen sind derzeit in aller Munde. Aber woher kommen die Namen der einzelnen Währungseinheiten? Was hat der Dollar mit Slowenien zu tun? Und wieso bezieht sich die Lira auf das Wiegen von Waren?

Fangen wir am Besten von vorne an. Der Tausch von Gütern zu vorher vereinbarten Konditionen ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Bereits 2000 Jahre v.d.Z. wurden Schnecken oder Muscheln als Zahlungsmittel in China verwendet. Schon zu diesem Zeitpunkt soll es übrigens auch das erste Falschgeld gegeben haben.

Im europäischen Sprachraum hat sich die Entwicklung von Münzgeld seit dem 7. Jhdt. v.d. Z. entwickelt. Durch die Erkenntnis, dass es nun eine verbindliche und einheitliche Tauschwährung gab, die einen festen Wert besitzt, hat sich das Produkt Münzgeld schnell durchsetzen können. Woher kommen nun aber die verschiedenen Namen für unsere Währung?

Fangen wir mal mit der guten alten Mark an. Hier gibt es zwei Erklärungen über den Ursprung. Zum einen könnte der Begriff auf die alte germanische Wurzel <marka> zurückgeführt werden, die mit Teilung oder Geteiltes übersetzt werden kann. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass früher die Gewichtstücke zum Wiegen von Waren mit einer Marke versehen worden sind. Diese Gewichtstücke wurden genutzt um den Wert der Ware festzulegen, sodass sich im weiteren Verlauf die Bezeichnung Mark für eine Geldeinheit durchgesetzt hat.

Der Dollar hat seinen Ursprung ebenfalls im deutschen Sprachraum, er leitet sich von dem Taler ab. Dieser wiederum hat seinen Namen vermutlich daher, dass er ursprünglich im Joachimstal (jetzt Tschechische Republik) hergestellt wurde. Er war also ein „Joachimstaler“.

Interessant ist die Verbindung zwischen dem ehemaligen österreichischen Schilling und dem ehemaligen portugiesischen Escudo. Beide könnten sich aus den jeweiligen Begriffen für „Schild“ herleiten. So lässt sich der Escudo vom lateinischen <scutum> ableiten, während der Shilling sich aus dem germanischen <*skildulingaz> entwickelt haben könnte.

Zuletzt ein Beitrag aus dem fernen Asien. Der japanische Yen hat seinen Ursprung in der chinesischen Sprache. Dort bezeichnet der Begriff <yuan> lediglich einen runden Gegenstand. Theoretisch könnt somit jeder Knopf als Yen genutzt werden. Ob die Händler diesen jedoch als Zahlungsmittel akzeptieren, sei an dieser Stelle mal offen gelassen.