Es gibt noch Hoffnung

Vor einem Jahr habe ich einen Post über die Verwendung von eigentlich neutralen Begriffen, die heute in einem negativen Kontext gesehen werden geschrieben. Vor ein paar Tagen habe ich erlebt, dass offensichtlich ein Umdenken stattfindet.

Als regelmäßiger Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs bleibt es bei mir nicht aus, dass ich die ein oder anderen Wortfetzen aus Gesprächen meiner Mitmenschen mitbekomme. In diesem Fall hat sich eine Gruppe von Jugendlichen über die üblichen Themen unterhalten, wobei irgendwann die Bemerkung fiel, wie „behindert“ eine Aktion doch gewesen sei. Interessant war die Reaktion der anderen Gruppenmitglieder, die sofort darauf hingewiesen haben, dass „man doch so etwas nicht mehr sagt.“ Es sei schließlich ziemlich „lame“ diese Wort zu benutzen. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt. Mich würde es freuen, wenn wir wieder mehr darauf achten, welche Wörter eigentlich wertfrei genutzt werden sollten, und welche Wörter sich tatsächlich für eine Bewertung eignen.

Manchmal frage ich mich, ob unser Drang zur political correctnes nicht genau das Gegenteil bewirkt. Wenn man nicht „scheiße“ sagen darf, nutzt man halt andere Begriffe. Vielleicht sollten wir hier etwas gnädiger sein, bevor weitere Gruppen durch eine falsche Wortwahl herabgesetzt werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

Die Erinnerung bewahren

Ich beteilige mich derzeit an einem Projekt, das Schriftstücke aus der Zeit der Ersten Weltkriegs sammelt und transkribiert um die Informationen für die Nachwelt festzuhalten. Für mich ist dieses Projekt eine spannende Reise in die Vergangenheit. Aber es zeigt mir auch mal wieder, wie sehr wir unsere Vergangenheit vernachlässigen. Anscheinend sind nur noch sehr wenige Menschen überhaupt in der Lage, die alte Schrift von „damals“ lesen und entziffern zu können.

Gerade in der heutigen Zeit bin ich allerdings der Meinung, dass ein Blick in die Vergangenheit lohnt um alte Fehler nicht neu zu machen, aber auch um die Ereignisse der letzten Jahrhunderte zu verstehen und zu analysieren.

Ich bin der Meinung, dass die Geschichtsbücher dieser Welt nur einen Teil der gesamten Geschichte und deren Zusammenhänge abbilden können. Umso wichtiger ist es jedoch, dass das Wissen um die alten Schriften nicht in Vergessenheit gerät.

Ich glaube, ich persönlich habe hier für mich eine neue Aufgabe gefunden. Das Projekt, von dem ich am Anfang geschrieben habe, bietet eine Vielzahl von Dokumenten, die bearbeitet und transkribiert werden müssen. Ich bin gespannt, welche Schätze, Tragödien, Liebesbotschaften oder Berichte auf mich warten.

Bis Bald!

Sebastian

Link zum Projekt: https://transcribathon.com/en/

Beachtet die Minderheiten

In Deutschland ist deutsch die am häufigsten gesprochene Sprache. Diese Erkenntnis dürfte wohl niemanden wirklich zum Staunen bringen. Aber wusstet ihr, dass es in Deutschland insgesamt 7 (8 bei Berücksichtigung der Deutschen Gebärdensprache) offiziell anerkannte Regional- und Minderheitensprachen gibt? Sie werden von verschiedenen Volksgruppen in Deutschland gepflegt und bewahrt.

Neben der dänischen Sprache gehören somit auch Nordfriesisch, Saterfriesisch, Plattdeutsch, Niedersorbisch, Obersorbisch und Romanes zu den offiziellen Regional- und Minderheitensprachen. Vermutlich habt ihr von der ein oder anderen Sprache noch nicht viel gehört. Das mag daran liegen, dass sie nur noch von einer kleinen Gruppe von Menschen gesprochen werden. Saterfriesisch z.B. wird nur noch von etwa 1000 Menschen in Niedersachsen aktiv gesprochen.
Umso bedauerlicher finde ich es, dass diese Minderheitensprachen so selten beachtet werden. Stattdessen sehen wir mit an, wie sie langsam aber sicher aus der Gesellschaft verschwinden und in absehbarer Zeit nur noch eine Randnotiz in den Archiven wert sein werden. Wer mehr über die einzelnen Sprachen lernen möchte, kann sich mal hier umsehen:
– http://www.nordfriiskinstituut.de (friesisch)
– http://www.platt-wb.de  (plattdeutsch)
– http://www.dolnoserbski.de/dnw/ (niedersorbisch)
– http://www.obersorbisch.de (obersorbisch)
 http://www.schule-mehrsprachig.at/fileadmin/schule_mehrsprachig/
redaktion/sprachensteckbriefe/pdf/ssb_romani_11.pdf (romanes)

Ich möchte zumindest einen kleinen Beitrag zum Erhalt dieser Sprachen leisten und verabschiede mich daher für heute mal multilingual mit 

Hej Hej!
Holl di munter!
Kiek moal wedder in!
Bit tö`een anner mol!
Božemje!
Na zasejwiźenje!
Žišunibe!




Gibt´s denn sowas ‽

Immer häufiger sehe ich Internet die Verwendung des so genannten „Interrobang“, einer Kombination aus Fragezeichen und Ausrufezeichen. Genutzt wird es, um eine Frage mit Nachdruck schriftlich zu verfassen. Erfunden wurde das Schriftzeichen im Jahr 1962 von Martin Speckter, einem US-amerikanischen Werbedesigner. Sein Anspruch war es, Überraschung in Werbetexten mit einem einzigen Satzzeichen darstellen zu können. Bis heute hat es das Satzzeichen leider nicht geschafft, in den standardisierten Schriftverkehr übernommen zu werden, aber so ganz in Vergessenheit ist es noch nicht gekommen.

 

 

Aus der Geschichte lernen

Ich besitze ein altes Gedichtsbuch, das 1912 erschienen ist: „Theodor Echtermeyer, Auswahl deutscher Gedichte Ausgabe C“. Ich lese gerne in dem Buch, auch weil es in Frakturschrift geschrieben ist, einer Schrift, die heute kaum noch jemand lesen kann (oder will). Dabei ist auch sie ein Zeugnis unserer Vergangenheit, das bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Viele klassische Werke von Kant über Goethe bis Lessing sind im Original in Frakturschrift geschrieben worden und es ist schade, dass diese Schrift immer wieder vorwiegend mit den dunklen Kapiteln unserer Geschichte in Verbindung gebracht wird.

Dieses Buch ist für mich noch aus einem weiteren Grund wichtig. In ihm sind viele interessante Gedichte von Künstlern gesammelt, die heute in Vergessenheit geraten sind. Ein Gedicht von August Wilhelm von Schlegel ist mir dabei aufgefallen, das mir gleich in doppelter Hinsicht gefallen hat. Erstens ist es in der Form eines Sonetts geschrieben, einer Gedichtform, die bereits seit dem 13. Jahrhundert verwendet wird. Gleichzeitig beinhaltet dieses Sonett in Reimform den Aufbau eines Sonetts an sich. Hätte ich damals im Deutschunterricht dieses Gedicht gekannt, wäre mir die gestalterische Analyse so mancher Sonette vielleicht etwas leichter gefallen. Vielleicht könnte sich die ein oder andere Lehrkraft in der heutigen Zeit dieses Gedicht genauer studieren und in den Unterricht einbinden.

 

(Quelle: Theodor Echtermeyer: Auswahl deutscher Gedichte. Verlag des Buchhandels des Waisenhauses, 1912)

Fröhliche Weihnachten

Wenn man sich den Begriff „Weihnachten“ in den verschiedenen Sprachen Europas ansieht, entdeckt man einige interessante sprachgeschichtliche Zusammenhänge. Während sich der deutsche Begriff aus dem germanischen Wort  *wīʒjan ,  was soviel heißt wie „weihen“, ableitet, bezieht man sich in den romanischen Sprachen mit „Noël“, „Natale“ und „Navidad“ auf die römischen Wurzeln und bedient sich an dem lateinischen Wort „natalis„, also „zur Geburt gehörend“. Das skandinavische „Julfest“ hingegen hat sich aus den heidnischen Festen zum Mittwinter entwickelt, das als „Jule“ bekannt gewesen ist.

 
Ob, und wie auch immer ihr Weihnachten feiert, ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, die es annehmen möchten, Frohe Weihnachten, schöne Feiertage und einen Guten Rutsch ins neue Jahr!
 
 

Lasst uns ein Zeichen setzen

Vor einiger Zeit habe ich auf Facebook und Google+ eine Diskussion zum Thema Typojis angestoßen. Typojis sind neue Schriftzeichen, die von Walter Bohatsch, einem österreichischen Grafikdesigner, entwickelt worden sind um Emotionen oder Intentionen in der Schriftsprache besser darstellen zu können. Die insgesamt 30 neuen Zeichen stehen dabei zum Beispiel für Empfindungen wie Ablehnung, Skepsis oder Langeweile. Eine Übersicht über alle Zeichen findet sich auf der Internetseite des Grafikers:

Als ich in das Thema eingestiegen bin, hatte ich eine ablehnende Haltung eingenommen. „Wofür brauchen wir Satzzeichen, die Emotionen ausdrücken? Wir haben doch wunderbare Begriffe wie „Sorge“ oder „Freude“ mit denen wir einen beliebigen Text mit Emotionen füllen können. Mittlerweile bin ich allerdings zu der Erkenntnis gekommen, dass in einigen Bereichen solche zusätzlichen Schriftzeichen durchaus sinnvoll sein können.

Wir leben in einer Welt, in der sich mündliche und schriftliche Kommunikation immer stärker angleicht. Wir schreiben, wie wir reden und wir reden, wie wir schreiben. Spätestens in den sozialen Medien, in Chats oder bei dem Versenden von Textnachrichten auf dem Handy oder Smartphone verwenden wir eine Form der Schrift, die sich an die gesprochene Sprache angepasst hat. Hier kann ich mir gut vorstellen, dass die Verwendung von Typojis eine sinnvolle Ergänzung zu den bekannten Emojis sein kann. Besonders, wenn es hierbei um geschäftliche Kommunikation geht, könnten die Zeichen ihren Zweck erfüllen.

Bis es jedoch soweit ist, dass die Typojis Einzug in unsere Schriftsprache erhalten haben, wird wohl noch eine Weile vergehen. Es bleibt auf jeden Fall spannend zu verfolgen, ob sich das System durchsetzt oder ob wir andere Möglichkeiten finden werden, unsere Gefühle in Schrift zu fassen.