Samstagsschrift: Stenographie

Wer hin und wieder mal die Bundestagsdebatten im Fernsehen verfolgt, und dabei nicht einschläft, hat sicherlich die Personen bemerkt, die vor dem Rednerpult sitzen und fleißig schreiben. Diese Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Bundestages gehören zum so genannten stenografischen Dienst. Ihre Aufgabe ist es, ein Wortprotokoll der Sitzung anzufertigen. Dazu gehören zum Einen die vollständigen Abschriften der einzelnen Reden, aber auch Zwischenrufe, Fragen, Wortmeldungen und andere Ereignisse im Plenarsaal.
Um all diese Ereignisse schriftlich festzuhalten, werden die Protokolle in einer besonderen Schreibform festgehalten. Es handelt sich hierbei um Stenografie, genauer gesagt um die Redeschrift der Stenografie.

Die aktuell geläufige deutsche Form der so genannten Kurzschrift ist die so genannte „Deutsche Einheitskurzschrift“. Sie basiert auf einer Mischung zwischen dem System von Franz Xaver Gabelsberger, sowie den Herren Heinrich August Wilhelm Stolze und Ferdinand Schrey. Seit dem Ende der 1960er Jahre ist diese Version der Kurzschrift das Standardsystem in Deutschland und Östererich.

Die Deutsche Einheitskurzschrift kann in drei Stufen aufgeteilt werden:
– Verkehrsschrift mit einer Geschwindigkeit von etwa 80 Silben pro Minute
– Eilschrift mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Silben pro Minute
– Redeschrift mit einer Geschwindigkeit von bis zu 500 Silben pro Minute.
(Der Rekord für schnelles Schreiben in der Redeschrift liegt bei 520 Silben pro Minute).

Die Stenografen im Bundestag verwenden für die Anfertigung der Protokolle die Redeschrift. Hinzu kommen noch weitere Abkürzungen der Zeichen um noch schneller mitschreiben zu können. Außerdem wird immer im Team gearbeitet. Ständig sitzen zwei Stenografen im Plenarsaal. Außerdem wird alle 5 Minuten gewechselt. Sechzehn Stenografen und Stenografinnen sind an einem Sitzungstag im Dauereinsatz. Nur so lassen sich alle Wortmeldungen auch vollständig erfassen (Quelle: Deutscher Bundestag, http://www.bundestag.de). Wer selber mal ausprobieren möchte, wie sich einzelne Wörter oder ganze Sätze in Stenografie darstellen lassen, findet unter http://steno.tu-clausthal.de/?DIR=DEK&Input=Stenografie%0D%0A&Proof=0&Scherung=15 ein tool, mit dem sich ein eingetippter Satz in einen Satz in Verkehrsschrift umwandeln lässt.

Samstagsschrift: Koreanische Symmetrie

Ich habe ja in meinem letzten Blogeintrag darüber geschrieben, dass mir der symmetrische Aufbau der koreanischen Schrift durchaus gefällt. Ich möchte nun etwas ausführlicher darüber schreiben. Gleichzeitig wird dieser Eintrag der Auftakt für eine Reihe von Schriftsystemen sein, die ich in (hoffentlich) regelmäßigen Abständen in der Rubrik „Samstagsschrift“ veröffentlichen werde.

Die koreanische Schrift, Hangeul genannt, ist trotz ihres komplex aussehenden Aufbaus im Grunde genommen eine einfache Alphabetschrift. Erfunden wurde sie im 15. Jhdt. im Auftrag des damaligen Herrschers, dessen Ziel es war, eine Schrift zu entwickeln, die leicht zu lernen und von allen Untertanen verstanden werden kann. Tatsächlich ist die gesamte Schrift logisch aufgebaut und unterliegt gewissen schematischen Regeln.

Das koreanische Alphabet besteht aus insgesamt vierzehn Symbolen für Konsonanten und 10 Symbolen für Vokale. Hinzu kommen 16 Doppelkonsonanten oder Doppelvokale. Zu unterscheiden sind beide Symbolarten dadurch, dass Vokale aus senkrechten oder waagerechten Strichen bestehen, während Konsonanten durch geometrische Figuren repräsentiert werden. Diese richten sich in ihrer Grundform grob an den jeweiligen Artikulationsort im Mund. Man kann also mit ein bisschen Übung alleine schon an der Form eines Symbols erahnen, wie er klingen muss.

Die einzelnen Grundsymbole werden in Silbenblöcke von bis zu drei Symbolen zusammengefasst. Zu Beginn des Silbenblocks steht immer ein Konsonant oder ein stummer Laut, anschließend folgt der Vokal. Besteht eine Silbe aus drei Buchstaben, befindet sich der dritte Buchstabe unter den beiden anderen Buchstaben.

Die so zusammengesetzten Silbenblöcke haben stets einen geometrischen Grundriss, aus dem sich ein sehr regelmäßiges Schriftbild ergibt. Sicherlich nicht die schlechteste Voraussetzung um eine Schrift in der Bevölkerung durchzusetzen.

안녕히 가세요 (an-nyeong-hi ga-se-yo,  dt. Auf wiedersehen!) und Bis bald!