Zahlen, bitte!

Huch, da ist mir doch fast ein kleines Jubiläum durch die Finger gerutscht. Am Wochenende durfte dieser kleine Blog seinen 10.000 Aufruf feiern. Nicht, dass es etwas Besonderes wäre, aber ich nehme dieses Jubiläum doch gerne zum Anlass um mich ein wenig mit der Welt der Zahlen zu beschäftigen.

Unser Zahlensystem im Bereich der größeren Zahlen ist in einem Dreiersystem aufgebaut.
10³ = 1000 („eintausend“)
10^6 = 1.000.000 („eine Million“)
10^9 = 1.000.000.000 („eine Milliarde“) usw.

Wusstet ihr aber auch, dass es einen eigenen Begriff für 10^4, also „zehntausend“ gibt?
Die so genannte Myriade zählte im alten Griechenland als Maßeinheit für eben diese Zahl, die sich auch in dem Begriff der „oberen Zehntausend“ wiederfindet.
Eine Zählweise, die sich  hat sich übrigens bis heute die 10.000 als Maßstab für größere Zahleinheiten festgesetzt. So werden größere Geldbeträge in Einheiten zu mehreren wan oder man angegeben, wobei 1 wan wieder 10.000 Einheiten entspricht.

Der japanische Begriff Banzai! heißt übersetzt in etwa soviel wie „10.000 Jahre!“ und bezeichnet den Wunsch nach 10.000 Jahren Glück.

Mal sehen, ob sich dieser Blog als Relikt auch so lange hält. Wir werden es sicherlich nicht mehr miterleben aber interessant ist diese Vorstellung schon.

Das doppelte LottCHen

Wisst ihr, was die Wörter „ich“, „möchte“ und „reich“ auf der einen Seite und „ach“, „Buch“, und „Flucht“ auf der anderen Seite gemeinsam haben? Sie gehören zu den deutschen Wörtern, die mit einem so genannten Allophon gebildet werden. Als Allophon bezeichnet man die „lautliche Variante eines Phonems“ wobei ein Phonem gleichzusetzen ist mit einem bestimmten Laut in einer Sprache, in diesem Fall also dem „ch-Laut“.
 In der Lautschrift werden diese Phoneme als [ç]  oder stimmloser palataler Frikativ für den „ich-Laut“ und [χ] oder stimmloser uvularer Frikativ für den „ach-Laut“ bezeichnet.

 Die Besonderheit bei den Allophonen ist, dass sie theoretisch untereinander ausgetauscht werden könnten, ohne, dass das gesagte Wort seine Bedeutung verändern würde. Da wir Menschen allerdings faul sind, auch in der Sprache, haben wir uns in der deutschen Sprache angewöhnt, den stimmlosen palatalen Frikativ nach den vorderen Vokalen ( e- und i-Laute) und den stimmlosen uvularen Frikativ nach allen hinteren Vokalen (a-, o-, und u-Laute) zu benutzen. Vielleicht achtet ihr das nächste Mal darauf, wo ihr im Mund ein „ch“ produziert, und versucht, das jeweils andere „ch“ zu verwenden. Ihr werdet merken, dass es einen Unterschied gibt, und dass es gar nicht so leicht ist, den jeweils umgekehrten Laut zu verwenden.

Isoliert aber nicht alleine

Baskisch gehört zu einer der wenigen Sprachen auf der Welt, die keiner Sprachfamilie zugeordnet werden können. Ich bin durch Zufall auf einige Besonderheiten dieser Sprache hingewiesen worden und muss gestehen, dass mich die Sprache ein wenig fasziniert hat. Vielleicht werde ich mich demnächst mal ausführlicher mit der Sprache beschäftigen, hier sind erst einmal ein paar grundlegende Fakten dazu:

Innerhalb der europäischen Sprachfamilie besitzt die Sprache  einen Sonderstatus, da alle anderen Sprachen einer der größeren Sprachfamilien zugeordnet werden können. Insgesamt sprechen etwas über 1,8 Mio. Personen die Sprache von denen rund 750.000 im baskischen Urpsrungsgebiet im Nordwesten Spaniens in den Pyrenäen leben.

Eine der besonderen Eigenschaften der Sprache ist die, dass sie zu den so genannten Ergativ-Sprachen gehört. Das bedeutet, dass in dieser Sprache keine grammatikalischen Fälle wie in der deutschen Sprache existieren. Stattdessen wird das Subjekt in einem Satz mit zwei Komponenten (transitiv) in der Ergativ-Form und das Objekt in der Absolutiv-Form geschrieben, während in einem intransitiven Satz mit nur einer Komponente das Subjekt die Absolutiv-Form einnimmt.

Eine weitere Besonderheit dieser Sprache ist die Gruppenflexion, die sich jedoch auch in einigen Turksprachen wie dem Türkischen wiederfindet. So werden Verben mit den dazugehörigen Pronomina zusammengefasst und können so in einem Wort einen ganzen transitiven Satz in der Form „Er streichelt den Hund“ oder ditransitiven Satz in der Form „Sie gibt ihm den Brief“ ausdrücken.

Vermutlich gibt es noch einige interessante Eigenschaften mehr, die diese Sprache besonders macht. Mit Sicherheit ist mein Interesse an der baskischen Sprache und Kultur geweckt worden. Mal sehen, was es noch zu entdecken gibt. Bis dahin verabschiede ich mich wieder mit einem
„Agur!“ (baskisch für „Bis bald“)

 

Fasching, Fastnacht, Karneval

Jetzt beginnen wieder in vielen Orten in Deutschland die Höhepunkte der närrischen 5. Jahreszeit, die in den großen Umzügen zum Rosenmontag münden und am Aschermittwoch ihr Ende finden. Anschließend beginnt die christliche Fastenzeit, die bis Ostern anhält. So wundert es nicht, dass die Begriffe für die närrische Zeit direkt oder indirekt mit der anschließenden Fastenzeit in Verbindung stehen. Der Begriff „Karneval“ leitet sich vermutlich aus dem Lateinischen Satz carne levare! (dt. Fleisch wegnehmen) ab. Bei der süddeutschen „Fastnacht“ ist es leicht, die Herleitung zur Fastnacht, also der Nacht vor der Fastenzeit herzuleiten. Der Begriff „Fasching“ hat sich im Laufe der Jahre aus dem Fastschank also dem letzten Ausschank von Bier vor der Fastenzeit entwickelt.

Wie sieht es bei euch aus? Werdet ihr nach Aschermittwoch in irgend einer Form fasten? Habt ihr schon einmal gefastet? Ich werde wohl auch in diesem Jahr wieder nicht dazu kommen, auf irgend etwas zu fasten. Vielleicht habt ihr ja mehr Muße, diese Tradition durchzuhalten. Ich freue mich auf eure Erfahrungen.

Bis Bald!
Euer Sebastian

Lost in Translation

Eine sprachliche Übersetzung ist immer wider ein Balanceakt zwischen verständlicher Umsetzung in der Zielsprache und Beibehaltung der ursprünglichen Informationen und sprachlichen Mittel des Ausgangstextes. Besonders interessant wird es bei Begriffen, die sich nicht so einfach in eine andere Sprache übersetzen lassen. In einer Welt, die immer näher zusammenrückt machen diese Begriffe in meinen Augen den Charme einer Sprache aus. Wer wissen möchte, was die unten stehenden Begriffe bedeuten, sollte mal einen Blick auf http://betterthanenglish.com  riskieren, wo die unterschiedlichsten Begriffe aus den verschiedensten Sprachen mit einer kurzen Erklärung hinterlegt sind. Ich muss gestehen, dass ich mich ein wenig in die Seite verliebt habe, auch wenn die letzte Aktualisierung schon ein paar Tage her ist. Dennoch halte ich sie für einen großen sprachlichen Schatz in einer Welt, die sich immer weiter angleicht.

 

 

Moses und die Vetternwirtschaft

Wir leben in einer Welt, in der immer häufiger darauf geachtet wird, bloß die richtigen Begriffe zu verwenden, um auf gar keinen Fall irgend eine Personengruppe herabzuwürdigen oder anzugreifen. Die Diskussionen über „Zigeunerschnitzel“ und „Negerküsse“ dürften bei den meisten Personen noch im Gedächtnis sein. Interessant ist bei der gesamten Debatte über „political correctness“ im Sprachgebrauch, dass sie auch hier (vermutlich weil es zu aufwändig erscheint) nicht konsequent durchgezogen wird.

Der Begriff „mauscheln“ oder „Mauschelei“ ist so ein Begriff, der in meinen Augen weitaus mehr Aufsehen erregen sollte, als die oben genannten Speisen. Der Ursprung dieses Synonyms für Vetternwirtschaft oder Klüngeleien ist nämlich von dem jüdischen Namen „Mosche“, also Moses abgeleitet. Demnach hat man schon im 17. Jahrhundert jüdische Händler, die aufgrund ihrer Geschäftstüchtigkeit nicht immer den besten Ruf hatten, als „Mauschel“ bezeichnet und wenn jemand mauschelte, sprach oder handelte er stereotypisch wie ein Jude, also den antisemitischen Vorurteilen zufolge , die auch damals schon vorhanden gewesen sind, wie ein Betrüger oder Wucherer.

Gerade in letzter Zeit erleben wir wieder verstärkt einen offenen Antisemitismus, der gerade in Deutschland eigentlich mit aller Deutlichkeit und Konsequenz unterdrückt werden sollte. Umso wichtiger sollte es für die schreibende Zunft sein, diese Hetze nicht durch verdeckte, antisemitisch auslegbare Begriffe zu unterstützen. Erst recht nicht, da unsere Sprache genug starke Begriffe besitzt, mit denen Betrügereien und geheime Absprachen treffend formuliert werden können.

 

Spam Spam Spam

Regt ihr euch auch jeden Tag über die unzähligen Spam-Mails in eurem Postfach auf? Alleine heute habe ich 50 solcher unnötigen Werbemails gelöscht. Viel interessanter als der Inhalt der meisten Spam-Mails an sich ist die Geschichte hinter dem Begriff „Spam“.

Tatsächlich kommt der Begriff aus der Lebensmittelindustrie, genauer gesagt aus dem Fleischereigeschäft. Die Bezeichnung „Spam“ wurde 1936 in England für Dosenfleisch entwickelt und stand als Abkürzung für SpicedHam. Als eine der wichtigsten Nahrungsmittel, die während des zweiten Weltkriegs nahezu uneingeschränkt verfügbar gewesen sind, war der Begriff überall präsent.

Später hat dann die britische Comedyserie Monty Python´s Flying Circus den Begriff in einem Sketch verarbeitet. Mit Beginn des Internetzeitalters wurde die übermäßig häufige Wiederholung des Wortes in dem Sketch aufgegriffen und der Begriff „Spam“ für das massenhafte Überschwemmen des Textinterfaces mit eigenen Botschaftenin den ersten Online-Spielen verwendet.

Diese Verwendung wurde dann auch in den ersten Newsgroups für sich regelmäßig wiederholende Meldungen verwendet. Spätestens seit diesem Zeitpunkt hat sich der Begriff etabliert und gehört heute (leider) zum festen Bestandteil der virtuellen Welt.