wer schreibt der bleibt

Ich bin vor ein paar Tagen über meine Studienaufzeichnungen zum Koreanischen gestolpert. Die koreanische Schrift, Hangeul, ist eine faszinierende Buchstabenschrift, die sich besonders durch ihren symmetrischen Aufbau hervorhebt. Natürlich gibt es noch viele weitere Schriftsystem, deshalb gibt es heute ein wenig Statistik zum Osterfest:

Insgesamt gibt es über 100 verschiedene Schriftsysteme auf der Welt, die sich grob in fünf große Gruppen einteilen lassen:
– Die Gruppe der Alphabetschriften (latein, griechisch, kyrillisch etc.)
– Die Gruppe der Abjads bei denen lediglich die Konsonanten graphisch dargestellt werden (hebräisch und arabisch sowie weitere semitische Sprachen)
– Abugidas, bei denen jedes Zeichen ein Silbensegment bestehend aus Konsonant und Vokal besteht
– Phonetische Schriften, bei denen jeder Laut einer Sprache graphisch dargestellt wird (devanagari, cree und in gewisser Weise auch Hangeul)
– Silbische Schriften, bei denen jedes Zeichen aus einer Silbe besteht (Katakana und Hiragana) [Anmerkung: Ja, ich weiß: Streng genommen handelt es sich hier nicht um Silben sondern um so genannte Moren aber das würde zu weit führen.]

Der Unterschied zwischen Abugidas und silbischen Schriften besteht darin, dass jedes einzelne Zeichen in einem Abugida einen einzelnen Laut darstellt, während in silbischen Schriften mehrere Laute zu einem Zeichen zusammengefasst sind. Die Silbensegmente in einem Abugida gehören fest zueinander, sind aber zwei unterschiedliche graphische Einheiten.

Interessant ist, dass die ältesten Schriftaufzeichnungen mindestens auf den Zeitraum um das Jahr 6600 v. Chr. zurückgeführt werden können. Es handelt sich hierbei um Schriftzeichen, die in China gefunden wurden und in Schildkrötenpanzer eingeritzt worden sind. (http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/2956925.stm)

Schriftsysteme der Welt
 Attribution: Immanuel Giel 
Gelistet unter  Creative Commons 3.0 license.

Das Beste zum Schluss

Am Jahresende scheint es üblich zu sein, die vergangenen 12 Monate Revue passieren zu lassen. Für mich war das vergangene Jahr aus Bloggersicht eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich habe zwei Blogs zu den Akten gelegt und einen neuen Blog, textstil, neu aufgebaut. Was ursprünglich als Sammlung von Fehltritten in der Schriftsprache gedacht war, hat sich nun zu einem allgemeinen Blog über Sprache und Sprachgeschichte entwickelt. So wundert es nicht, dass mein Beitrag über die Entstehung des Wortes „Parlament“ die meisten Aufrufe verzeichnen konnte. In den 10 beliebtesten Beiträgen aus diesem Jahr finden sich jedoch auch Beiträge aus allen anderen Rubriken, was mich sehr freut:
1. Sprachgeschichten: Das Parlament und seine Bedeutung
2. Klammernde Anreden
3. Keine Angst vor der Maschinisierung
4. Prospekte mit gespaltener Persönlichkeit
5. Sprachgeschichten: Hokus Pokus
6. Ein ganzer Haufen Mist
7. Randnotiz: Jugendsprache, schwere Sprache
8. So ein Käse
9. Randnotiz: Bemerkenswerte Eigenschaften
10. Randnotiz: 100 Posts

Mein persönlicher Favorit, vielleicht weil er auch persönlich war, ist der Beitrag über
Behinderungen der Sprache. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir politische Debatten über Sprache und Ausdrücke vollständig und umfassend führen könnten.

Das neue Jahr bringt hoffentlich weitere neue Erkenntnisse und Ereignisse über das Thema „Sprache“ hervor. Bis dahin bedanke ich mich bei Allen, die diesen Blog besucht haben und freue mich auf weitere spannende Berichte und Diskussionen mit Euch und Ihnen.

Sebastian Vietz

Grammatikalische Geschlechterrollen

Die deutsche Sprache gehört zu einer Minderheit in Bezug auf ihre grammatikalische Genuszuweisung. Tatsächlich besitzen nur etwa 25% aller bekannten Sprachen überhaupt ein Genussystem. Diese unterteilen sich dann noch in Gruppen mit einem binären Genussystem (maskulin / feminin) wie viele romanische Sprachen, dreigliedrige Gruppen wie die deutsche Sprache oder Gruppen mit mehreren Geschlechterrollen, wobei man hier häufig auch von Nominalklassen spricht. Wie diese Nominalklassen funktionieren, erkläre ich ausführlich demnächst in einem anderen Blogeintrag.

Wir haben in der deutschen Sprache drei Geschlechter: maskulin, feminin, neutrum.  Und hier beginnt schon die Ausnahmestellung der deutschen Sprache. Nicht nur, dass das dreigliedrige System an sich schon eine Minderheitenrolle einnimmt, das grammatikalische Geschlecht der deutschen Sprache weicht auch noch in vielen Bereichen vom natürlichen Geschlecht ab. Wir sagen zum Beispiel „die Wiese“ aber „das Gras“.

Eine weitere Besonderheit der deutschen Sprache ist die doppelte Geschlechterrolle, die einige Nomen annehmen können.  Die meisten unserer Nomen, rund 99%, besitzen genau ein grammatikalisches Geschlecht. Allerdings können etwas weniger als 1,3 % mit zwei grammatikalischen Geschlechtern gebildet werden, und 0,02% der deutschen Nomen können sogar alle drei grammatikalische Geschlechter annehmen. Weniger als 0,1% der deutschen Nomen besitzen gar kein grammatikalisches Geschlecht. (Quelle: duden.de) Die Nomen, die nur ein grammatikalisches Geschlecht besitzen, sind zu etwa 46% feminin, 34% maskulin und 20% neutrum.

In meiner eigenen Umfrage zum Thema Geschlechterrollen nimmt der Begriff „Prospekt“, der laut Duden sowohl maskulin als auch neutrum genutzt werden kann, eine Sonderrolle ein. Er ist aktuell (Stand 29.11.2017) der einzige Begriff, bei dem die bisherigen Ergebnisse eine nahezu ausgeglichene Verteilung ergeben haben (50,3% für „das Prospekt“, 49,7% für „der Prospekt“).

Prospekte mit gespaltener Persönlichkeit

Vor einiger Zeit habe ich eine Umfrage ins Leben gerufen, die sich mit der Bestimmung von grammatikalischen Geschlechtern beschäftigt. Dazu habe ich eine Liste mit 42 Begriffen erstellt, die in der deutschen Sprache mit mindestens zwei grammatikalischen Geschlechtern gebildet werden können. Bisher haben 138 Personen an der Studie teilgenommen, wofür ich mich herzlich bedanken möchte.
Auch wenn weiterhin an der Umfrage zur Studie teilgenommen werden darf, konnte ich jetzt schon zumindest zwei interessante Ergebnisse feststellen. Das zweite Ergebnis werde ich in einem separaten Blogpost behandeln, heute geht es erst einmal um den Begriff „Prospekt“.
Der Duden als offizielles Referenzwerk gibt an, dass der Begriff sowohl maskulin ( „der Prospekt“ ) als auch neutrum ( „das Prospekt“ ) verwendet werden kann. In meiner Umfrage ist der aktuelle Stand (29.05.2017) der, dass sich von den 138 teilgenommenen Personen genau 69 Personen für die maskuline Variante und 69 Personen für die neutrale Variante entschieden haben. Anders ausgedrückt ist der Begriff „Prospekt“ der einzige, bei dem die beiden möglichen Varianten exakt gleichauf sind. Alle anderen Begriffe haben eine klare Tendenz für die eine oder die andere Variante.
Auch wenn die Teilnehmerzahl von 138 Personen noch nicht sehr aussagekräftig ist, finde ich dieses Ergebnis doch schon sehr bemerkenswert. Wie bereits oben erwähnt, ist die Studie weiterhin verfügbar. Der Link dazu befindet sich am Ende dieses Eintrags.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich weitere Personen an der Studie beteiligen. Alle bisher gesammelten Ergebnisse in der Zusammenfassung können bereits aktualisiert abgerufen werden. Der Link dazu befindet sich ebenfalls am Ende des Eintrags. Ich hoffe, ihr helft mir dabei, die Umfrage zu einem Erfolg zu bringen.

Vielen Dank
Euer Sebastian

Studie

Ergebnisse

Tag der Grammatik

Was es nicht alles gibt… Der heutige 04.03. ist der internationale Tag der Grammatik und zur Feier des Tages gibt es von mir mal eine kleine Übersicht über die verschiedenen möglichen und unmöglichen Satzstellungen. Grundsätzlich besteht ein Satz aus Subjekt, Verb, Objekt. Aus diesen drei Elementen lassen sich theoretisch 6 verschiedene Kombinationen erstellen. Die Praxis zeigt, dass tatsächlich alle sechs Kombinationen in den natürlichen Sprachen vorkommen, allerdings mit unterschiedlicher Gewichtung. Hier ist dazu eine kleine Übersicht:

SVO = 42% aller Sprachen z.B. deutsch (Ich liebe Euch)
SOV = 45% aller Sprachen z.B. japanisch (Ich Euch liebe)
OSV = 1% aller Sprachen z.B Warao (Euch Ich liebe)
OVS = 1% aller Sprachen z.B. Hixkaryana (Euch liebe Ich)
VSO = 9% aller Sprachen z.B. Irisch (liebe Ich Euch)
VOS = 3% aller Sprachen. z.B. Malagasy (liebe Euch Ich) (Quelle: Sprachblog.de)

Falls ihr also demnächst mit der Grammatik ins Straucheln kommen solltet, habt ihr ab sofort eine Ausrede, dass ihr gerade dabei seid, eine neue Sprache zu lernen.

Möge die Grammatik (welche auch immer) mit euch sein!

Euer Sebastian