Deutsche Sprache schwere Sprache

Am 2. Samstag im September wird seit 2001 der Tag der deutschen Sprache gefeiert. Ausgerufen vom Verein Deutsche Sprache sollte der Tag in erster Linie das Bewusstsein für unnötige Anglizismen schärfen. Mittlerweile soll der Tag auch genutzt werden, um unseren Blick für die deutsche Sprache und ihren Wandel zu schärfen.

Für mich ist das heute ein Grund, mich mal mit dem Begriff „Leichte Sprache“ zu beschäftigen. Unter diesem Schlagwort sollen besonders staatliche Institutionen auf ihren Internetauftritten dafür sorgen, dass die Informationen auch für Menschen mit einer Leseschwäche verständlich sind. Zu den Kriterien für leichte Sprache gehören unter Anderem die Vermeidung von Fremdwörtern kurze Wörter und Sätze, sowie die Verwendung von möglichst viele Verben.

Was im Internet schon erstaunlich gut funktioniert, klappt offline leider bis heute nur sehr unzureichend. Viele Anträge und Bescheide sind weiterhin in einem Kauderwelsch ausgedrückt, das einem sprichwörtlich die Sprache verschlägt. Gerade hier sollte es doch aber möglich und erforderlich sein, dass Alle sofort verstehen, was sie gerade ausfüllen.

Ich habe mal meine 10 Favoriten zum Thema Beamtendeutsch zusammengefasst und bin mal gespannt, ob ihr erkennt was damit eigentlich gemeint ist:

  1. Spontanvegetation
  2. nicht lebende Einfriedung
  3. bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt
  4. Einachsiger Dreiseitenkipper
  5. Fernmündliche Abklärung noch offen stehender Fragen
  6. Personenvereinzelungsanlage
  7. Betriebsmittelaufnahme
  8. Raufutter verzehrende Großvieheinheit
  9. Lebensberechtigungsbescheinigung
  10. Grundstücksentwässerungsanlage

Habt ihr alles verstanden? Wenn ja, steht euch einer Karriere als Beamte wohl nichts mehr im Weg oder ihr wisst, wie man eine bekannte Suchmaschine bedient.

 

Ich habe einen Plan

Ludwik Lejzer Zamenhof hatte einen Plan und dieser sollte die Sprachwelt verändern. Geboren als Sohn jüdischer Eltern im damaligen Russischen Zarenreich und beeinflusst von den vielen unterschiedlichen Ethnien und sprachlichen Einflüssen in seiner Heimatstadt interessierte er sich schon früh für andere Sprachen. Gleichzeitig sah er immer neue aufbrodelnde Konflikte, die er selbst hauptsächlich auf das Fehlen einer gemeinsamen Sprache und die daraus resultierenden Verständigungsprobleme zurückführte.Mit dem Ziel, diese Konflikte zu beenden, begann Zamenhof schon früh damit, eine eigene Plansprache zu entwickeln. Sie sollte einfach zu erlernen und möglichst neutral aufgebaut sein, damit alle Menschen die gleichen Voraussetzungen zum Erlernen der Sprache hätten. Im Laufe der Zeit konkretisierte er seinen Plan, bis er 1887 letztendlich sein Sprachprojekt unter dem Namen “ Lingvo internacia“ veröffentlichte.Bald darauf entwickelte die Sprache eine Eigendynamik und so entstand unter der schnell wachsenden Anhängerschaft der Name „Esperanto“, abgeleitet vom selbst gewählten Pseudonym Zamenhofs, „Dr. Esperanto“ (dt. Hoffender).

Heutzutage gehört Esperanto zu den bedeutendsten und bekanntesten Plansprachen weltweit. Auch wenn die Sprache selbst in keinem Land der Welt einen offiziellen Status hat, wir die Zahl der Sprecher aktuell auf etwa 100.000 weltweit geschätzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Plansprachen kann Esperanto so auf eine andauernde Geschichte zurückblicken und es sieht ganz danach aus, dass uns diese Plansprache wohl langfristig erhalten bleibt. Das Geheimnis dieses Erfolgs liegt wohl in der Regelmäßigkeit der Sprache. Anders als natürlich entstandene Sprachen und anders als die meisten anderen Plansprachen besitzt das Esperanto eine regelmäßige Grammatik ohne Ausnahmen sowie eine klare Morphem-Graphem-Relation, also einer eindeutigen Zuordnung eines Buchstabens zu einem bestimmten Laut. So lassen sich grammatikalische und phonologische Regeln schnell einprägen und anwenden.

Trotz aller Erfolge hat auch Esperanto allerdings einen kleinen Haken. Die Sprache orientiert sich sehr an den europäischen Sprachfamilien. Asiatische oder afrikanische Einflüsse sind so gut wie gar nicht zu finden. Dennoch hat Esperanto es geschafft, sich bis heute zu halten und wer weiß, vielleicht macht sich auch hier früher oder später ein Sprachwandel bemerkbar und irgendwann können wir hier wirklich von einer „Weltsprache“ reden.

 

 

 

 

 

Auf einer Linie

Meine Heimatstadt Düsseldorf ist bekannt für Altbier, die Kö, Schickimicki (wobei das nur ein Gerücht ist) und eine Fahstuhlmannschaft der Fussballbundesliga der Herren. Sie, beziehungsweise ein Stadtteil ist allerdings auch Namensgeber einer Sprachgrenze, einer so genannten Isoglosse der deutschen Sprache. Als Sprachgrenze werden Regionen bezeichnet, in denen zwei Ausprägungen eines sprachlichen Merkmals der selben Grundsprache aufeinander treffen.

Im Falle der Benrather Linie treffen hier die hochdeutschen Sprachvarianten auf die niederdeutschen Sprachvarianten. Sie bildet gemeinsam mit der Uerdinger Linie ein gemeinsames Sprachgrenzenbündel.

Was heißt das genau? Sehr einfach lässt sich diese Sprachgrenze mit der Lautverschiebung k –> ch verbinden.  Nördlich der Benrather Linie gab und gibt es zum Beispiel die Wörter „maake“ für <machen>, „ick“ oder „eck“ für <ich> und „hopen“ für <hoffen>.

Wer aufgepasst hat wird feststellen, dass sich viele Begriffe der englischen Sprache ähneln. Auch dort hat die zweite Lautverschiebung ihre Spuren hinterlassen. So kann es sein, dass sich ein Sprecher der plattdeutschen Sprache und ein Sprecher der englischen Sprache relativ gut miteinander verständigen können, ohne ihre eigene Sprache zu wechseln.

Leider trifft auch hier der Sprachwandel in den Vordergrund, sodass sich auch die plattdeutsche Sprache immer stärker dem Hochdeutschen annähert. Wer allerdings genau hinsieht, findet immer wieder einige Überbleibsel dieser Abgrenzungen. So findet sich in Urdenbach etwas südlich von Benrath die Bücher Straße, die an der so genannten „Böke Pomp“ vorbeiläuft.

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Altes Rathaus der ehemals unabhängigen Stadt Benrath

Der Rubel rollt

Die weltweite Wirtschaft scheint aus den Fugen zu geraten und die unterschiedlichsten Währungen sind derzeit in aller Munde. Aber woher kommen die Namen der einzelnen Währungseinheiten? Was hat der Dollar mit Slowenien zu tun? Und wieso bezieht sich die Lira auf das Wiegen von Waren?

Fangen wir am Besten von vorne an. Der Tausch von Gütern zu vorher vereinbarten Konditionen ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Bereits 2000 Jahre v.d.Z. wurden Schnecken oder Muscheln als Zahlungsmittel in China verwendet. Schon zu diesem Zeitpunkt soll es übrigens auch das erste Falschgeld gegeben haben.

Im europäischen Sprachraum hat sich die Entwicklung von Münzgeld seit dem 7. Jhdt. v.d. Z. entwickelt. Durch die Erkenntnis, dass es nun eine verbindliche und einheitliche Tauschwährung gab, die einen festen Wert besitzt, hat sich das Produkt Münzgeld schnell durchsetzen können. Woher kommen nun aber die verschiedenen Namen für unsere Währung?

Fangen wir mal mit der guten alten Mark an. Hier gibt es zwei Erklärungen über den Ursprung. Zum einen könnte der Begriff auf die alte germanische Wurzel <marka> zurückgeführt werden, die mit Teilung oder Geteiltes übersetzt werden kann. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass früher die Gewichtstücke zum Wiegen von Waren mit einer Marke versehen worden sind. Diese Gewichtstücke wurden genutzt um den Wert der Ware festzulegen, sodass sich im weiteren Verlauf die Bezeichnung Mark für eine Geldeinheit durchgesetzt hat.

Der Dollar hat seinen Ursprung ebenfalls im deutschen Sprachraum, er leitet sich von dem Taler ab. Dieser wiederum hat seinen Namen vermutlich daher, dass er ursprünglich im Joachimstal (jetzt Tschechische Republik) hergestellt wurde. Er war also ein „Joachimstaler“.

Interessant ist die Verbindung zwischen dem ehemaligen österreichischen Schilling und dem ehemaligen portugiesischen Escudo. Beide könnten sich aus den jeweiligen Begriffen für „Schild“ herleiten. So lässt sich der Escudo vom lateinischen <scutum> ableiten, während der Shilling sich aus dem germanischen <*skildulingaz> entwickelt haben könnte.

Zuletzt ein Beitrag aus dem fernen Asien. Der japanische Yen hat seinen Ursprung in der chinesischen Sprache. Dort bezeichnet der Begriff <yuan> lediglich einen runden Gegenstand. Theoretisch könnt somit jeder Knopf als Yen genutzt werden. Ob die Händler diesen jedoch als Zahlungsmittel akzeptieren, sei an dieser Stelle mal offen gelassen.

 

 

doppelt gut

Reduplikationen gehören in vielen Sprachen zum festen Bestandteil des Vokabulars. Sie können verwendet werden, um eine Verstärkung von Adjektiven, eine Vervielfältigung von Nomen oder aber auch einen Verlauf von Verben zu markieren. So werden in vielen afrikanischen Sprachen Reduplikationen verwendet, um eine sich wiederholende Tätigkeit auszudrücken.

Auch in der deutschen Sprache findet sich eine Vielzahl von Reduplikationen. Ich rede hier allerdings nicht von der Lautsprache. Hier beschränken sich die Wörter mit einer echten Wiederholung fast ausschließlich auf einige Grundbegriffe wie „Mama“ oder „Papa“ oder auf Wörter mit einem lautmalerischen Hintergrund wie „Kuckuck“.

Die Deutsche Gebärdensprache, die übrigens erst seit 2002 als eigenständige Sprache in Deutschland anerkannt ist, kennt tatsächlich eine Vielzahl von Reduplikationen. Sie werden hier in nahezu allen Wortgruppen verwendet und stellen so auf einfache Weise Wiederholungen dar.

Besonders ergiebig ist hier die Klasse der Verben, bei denen eine regelmäßige Wiederholung von Tätigkeiten oder eine lang anhaltende Tätigkeit dargestellt werden kann. Aber auch Nomen können als Reduplikation präsentiert werden, wenn es z.B. um paarweise auftretende Gegenstände handelt. Ebenso werden Zahlwörter mit gleichen Ziffern als Reduplikation repräsentiert. Man muss also wieder einmal nicht in die Ferne reisen, um sich mit ungewöhnlichen Eigenschaften von Sprache und Sprachen vertraut zu machen.

Es gibt noch Hoffnung

Vor einem Jahr habe ich einen Post über die Verwendung von eigentlich neutralen Begriffen, die heute in einem negativen Kontext gesehen werden geschrieben. Vor ein paar Tagen habe ich erlebt, dass offensichtlich ein Umdenken stattfindet.

Als regelmäßiger Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs bleibt es bei mir nicht aus, dass ich die ein oder anderen Wortfetzen aus Gesprächen meiner Mitmenschen mitbekomme. In diesem Fall hat sich eine Gruppe von Jugendlichen über die üblichen Themen unterhalten, wobei irgendwann die Bemerkung fiel, wie „behindert“ eine Aktion doch gewesen sei. Interessant war die Reaktion der anderen Gruppenmitglieder, die sofort darauf hingewiesen haben, dass „man doch so etwas nicht mehr sagt.“ Es sei schließlich ziemlich „lame“ diese Wort zu benutzen. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt. Mich würde es freuen, wenn wir wieder mehr darauf achten, welche Wörter eigentlich wertfrei genutzt werden sollten, und welche Wörter sich tatsächlich für eine Bewertung eignen.

Manchmal frage ich mich, ob unser Drang zur political correctnes nicht genau das Gegenteil bewirkt. Wenn man nicht „scheiße“ sagen darf, nutzt man halt andere Begriffe. Vielleicht sollten wir hier etwas gnädiger sein, bevor weitere Gruppen durch eine falsche Wortwahl herabgesetzt werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

Eine (kleine) Trendwende?

Seit längerer Zeit geht man in der Wissenschaft davon aus, dass die Anzahl der Sprachen weltweit immer weiter abnimmt. Aktuell liegt die Anzahl der gesprochenen Sprachen laut Ethnologue, einem linguistischen Sammelwerk  das sich darum bemüht alle Sprachen der Welt zu klassifizieren, bei 7102 Einzelsprachen.

Demnächst könnte wieder eine neue Sprache hinzu kommen. In dem Vielsprachenstaat wurde jetzt von Wissenschaftlern eine Sprache entdeckt, die von etwa 280 Personen gesprochen wird. Die Sprache, Jedek, unterscheidet sich von allen anderen Sprachen, die in dem Gebiet gesprochen werden, sodass sie von den Entdeckern als eigenständige Sprache und nicht als Dialekt eingestuft werden konnte.

Aufgrund der geringen Sprecherzahl ist es allerdings unwahrscheinlich, dass Jedek noch lange überleben wird. Bleibt nur zu hoffen, dass die Klassifikation früh genug abgeschlossen sein wird, bevor alle Sprecher*Innen verstorben sind.