Ein Laut der Stille

Ich euch schonmal aufgefallen, dass der Sprechfluss von schweizerdeutschen Sprecher*Innen sich irgendwie fließender und gebundener anhört als der Sprechfluss von deutschen Sprecher*Innen? Ein Grund dafür liegt im so genannten „Verschlusslaut“ oder „Glottisschlag“, der typisch ist bei der Aussprache von Vokalen in der  hochdeutschen oder standarddeutschen Sprache. Gemeint ist damit dieser kurze Verschluss im Gaumen, der verwendet wird, sobald ein Vokal zum Beginn eines Wortes oder zum Beginn einer Komposition auftritt. Der Glottisschlag kann dabei sogar wortendscheidende Veränderungen bewirken, wie z.B. in den beiden Begriffen (das) Spiegelei und (die) Spiegelei. Auch wenn man mit dem zweiten Begriff nicht unbedingt etwas anfangen kann, so wird er vermutlich unbewusst anders ausgesprochen werden als der erste.

Das Sprachphänomen des Glottisschlags tritt auch in anderen Sprachen auf, allerdings häufig in einem anderen Zusammenhang. Der Stød im Dänischen z.B. wird tatsächlich verwendet um grafisch, also schriftsprachlich gleiche Wörter phonetisch unterschiedlich zu realisieren. So werden einige Nomen und die dazugehörigen Verben, wie z.B. /læser/ dt. lesen oder Leser lediglich durch den Stød unterscheidbar. Auch die englische Sprache kennt den Glottisschlag, der besonders in dem als vornehm geltenden Londoner Cockney-Dialekt zum Ausdruck kommt. Hier wird er allerdings als Ersatzlaut für ein eigentlich zu erwartendes [t] verwendet. In der hebräischen und arabischen Sprache existieren sogar tatsächliche Schriftzeichen, die die Verwendung eines Glottissschlags im Wort anzeigen. So existiert im Hebräischen der Buchstabe Alef (א) sowie im Arabischen der Buchstabe Hamza (ء) um diesen Laut grafisch darzustellen.

 

 

Der Ursprung der Sprache

Wie entsteht eigentlich eine Sprache? Und kann sich in unserer modernen Welt überhaupt noch eine neue Sprache entwickeln? Diesen Fragen ist jetzt eine Forschungsgruppe am Max-Plank-Institut für Menschheitsgeschichte auf den Grund gegangen. Konkret möchten die Wissenschaftler herausfinden, wie sich ursprüngliche Kommunikationsmethoden zu realen und vollständigen Sprachen entwickeln konnten.

Um erste Anhaltspunkte zu erhalten, gehen die Forscher des Institunts ganz neuen Wege. Sie haben eine App entwickelt, in der die Spieler anhand von Symbolen eine Farbe beschreiben sollen. Dabei kann man entweder selber ein Farbrätsel erstellen oder die Farbrätsel anderer Mitspieler lösen. Richtige oder falsche Antworten gibt es dabei nicht. Das klingt vielleicht zu Beginn etwas ungewöhnlich, scheint aber tatsächlich zu funktionieren. So scheinen die zu Beginn willkürlich ausgewählten Symbole mit der Zeit immer stärker an Bedeutung zu gewinnen und zu vergleichbaren Assoziationen zu den wählbaren Farben zu führen.

Wer mehr über das Spiel und die Idee dahinter erfahren möchte, sollte sich den entsprechenden Artikel auf den Seiten des Instituts durchlesen. Dort findet ihr auch den entsprechenden link zum App-Store für Apple oder zum Play-Store für Android um euch die App kostenlos herunterladen zu können.

Quelle: https://www.mpg.de/12037745/color-game-app-sprachforschung

In den Farbtopf gefallen

Habt ihr euch auch schon einmal Gedanken gemacht, ob das Blau das ihr seht, das gleiche Blau ist das andere sehen? Oder wie würdet ihr folgenden Farbton definieren?

Unbenannt

Quelle: http://chir.ag/projects/name-that-color/#698791

Die Welt der Farben ist auch aus sprachlicher Sicht eine faszinierende Welt. Tatsächlich werden die einzelnen Farben oder Farbtöne in den verschiedenen Sprachfamilien durchaus unterschiedlich behandelt. So kennt das Russische wie auch das Italienische einen sprachlichen Unterschied zwischen hellen Blautönen und dunklen Blautönen.

Brent Berlin und Paul Kay haben in den 1960er Jahren Forschungen durchgeführt, wie sich die Begriffe für Farben in verschiedenen Sprachen zusammensetzen. Und sie haben eine interessante Entdeckung gemacht. Offensichtlich existiert ein Muster, wie sich Begriffe für verschiedene Farben entwickeln. Demnach existieren 5 Stufen in denen sich die Grundfarben in den verschiedenen Sprachen entwickelt haben, angefangen bei zwei Grundfarben bis hin zu sechs und mehr Grundfarben. Die größte Anzahl von Grundfarben liegt demnach bei 12 unterschiedlichen Bezeichnungen.

Bei der Entwicklung der Unterscheidungen scheint es dabei eine Reihenfolge zu geben. Angefangen bei einer einfachen Unterscheidung zwischen hell und dunkel über die Unterscheidung zwischen weiß, rot oder gelb, schwarz oder grün oder blau, bis hin zur Unterscheidung zwischen weiß, rot, grün, gelb, blau und schwarz.

Berlin und Kay stellten dazu folgende Regeln auf:

  1. Alle Sprachen haben ein Wort für schwarz und weiß.
  2. Besitzt eine Sprache drei unterschiedliche Farbwörter, dann bezeichnet das dritte Farbwort die Farbe rot.
  3. Existieren vier unterschiedliche Farbwörter in einer Sprache, dann bezeichnet das vierte Wort entweder die Farbe grün oder gelb aber niemals beide Farben.
  4. Bei fünf unterschiedlichen Farbwörtern existiert sowohl ein Wort für die Farbe gelb als auch für die Farbe grün.
  5. Die Farbe blau kommt erst bei Sprachen mit sechs unterschiedlichen Farbwörtern vor.
  6. Wenn eine Farbe sieben Farbwörter kennt, dann existiert ein Wort für die Farbe braun.
  7. Bei acht oder mehr Bezeichnungen für unterschiedliche Farbtöne existieren letztendlich eigene Begriffe für purpur, pink, orange oder grau.
(Berlin, Brent and Kay, Paul. 1969. Basic Color Terms: their Universality and Evolution. Berkeley and Los Angeles: University of California Press.)

Aus physikalischer Sicht sehen wir alle die gleichen Farben bzw. die gleichen Wellenlängen von Licht, denn nichts Anderes ist „Farbe“. Aber dennoch scheint es einen Unterschied in der Wahrnehmung der einzelnen Farben zu geben, die sich auch in der Benennung der Farbtöne widerspiegelt.

Ich persönlich würde den Farbton übrigens als Stahlblau bezeichnen. Die Webseite, von der ich den Ausschnitt habe, benennt die Farbe als Juniper Green, also Wacholdergrün.

 

Deutsche Sprache schwere Sprache

Am 2. Samstag im September wird seit 2001 der Tag der deutschen Sprache gefeiert. Ausgerufen vom Verein Deutsche Sprache sollte der Tag in erster Linie das Bewusstsein für unnötige Anglizismen schärfen. Mittlerweile soll der Tag auch genutzt werden, um unseren Blick für die deutsche Sprache und ihren Wandel zu schärfen.

Für mich ist das heute ein Grund, mich mal mit dem Begriff „Leichte Sprache“ zu beschäftigen. Unter diesem Schlagwort sollen besonders staatliche Institutionen auf ihren Internetauftritten dafür sorgen, dass die Informationen auch für Menschen mit einer Leseschwäche verständlich sind. Zu den Kriterien für leichte Sprache gehören unter Anderem die Vermeidung von Fremdwörtern kurze Wörter und Sätze, sowie die Verwendung von möglichst viele Verben.

Was im Internet schon erstaunlich gut funktioniert, klappt offline leider bis heute nur sehr unzureichend. Viele Anträge und Bescheide sind weiterhin in einem Kauderwelsch ausgedrückt, das einem sprichwörtlich die Sprache verschlägt. Gerade hier sollte es doch aber möglich und erforderlich sein, dass Alle sofort verstehen, was sie gerade ausfüllen.

Ich habe mal meine 10 Favoriten zum Thema Beamtendeutsch zusammengefasst und bin mal gespannt, ob ihr erkennt was damit eigentlich gemeint ist:

  1. Spontanvegetation
  2. nicht lebende Einfriedung
  3. bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt
  4. Einachsiger Dreiseitenkipper
  5. Fernmündliche Abklärung noch offen stehender Fragen
  6. Personenvereinzelungsanlage
  7. Betriebsmittelaufnahme
  8. Raufutter verzehrende Großvieheinheit
  9. Lebensberechtigungsbescheinigung
  10. Grundstücksentwässerungsanlage

Habt ihr alles verstanden? Wenn ja, steht euch einer Karriere als Beamte wohl nichts mehr im Weg oder ihr wisst, wie man eine bekannte Suchmaschine bedient.

 

Ich habe einen Plan

Ludwik Lejzer Zamenhof hatte einen Plan und dieser sollte die Sprachwelt verändern. Geboren als Sohn jüdischer Eltern im damaligen Russischen Zarenreich und beeinflusst von den vielen unterschiedlichen Ethnien und sprachlichen Einflüssen in seiner Heimatstadt interessierte er sich schon früh für andere Sprachen. Gleichzeitig sah er immer neue aufbrodelnde Konflikte, die er selbst hauptsächlich auf das Fehlen einer gemeinsamen Sprache und die daraus resultierenden Verständigungsprobleme zurückführte.Mit dem Ziel, diese Konflikte zu beenden, begann Zamenhof schon früh damit, eine eigene Plansprache zu entwickeln. Sie sollte einfach zu erlernen und möglichst neutral aufgebaut sein, damit alle Menschen die gleichen Voraussetzungen zum Erlernen der Sprache hätten. Im Laufe der Zeit konkretisierte er seinen Plan, bis er 1887 letztendlich sein Sprachprojekt unter dem Namen “ Lingvo internacia“ veröffentlichte.Bald darauf entwickelte die Sprache eine Eigendynamik und so entstand unter der schnell wachsenden Anhängerschaft der Name „Esperanto“, abgeleitet vom selbst gewählten Pseudonym Zamenhofs, „Dr. Esperanto“ (dt. Hoffender).

Heutzutage gehört Esperanto zu den bedeutendsten und bekanntesten Plansprachen weltweit. Auch wenn die Sprache selbst in keinem Land der Welt einen offiziellen Status hat, wir die Zahl der Sprecher aktuell auf etwa 100.000 weltweit geschätzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Plansprachen kann Esperanto so auf eine andauernde Geschichte zurückblicken und es sieht ganz danach aus, dass uns diese Plansprache wohl langfristig erhalten bleibt. Das Geheimnis dieses Erfolgs liegt wohl in der Regelmäßigkeit der Sprache. Anders als natürlich entstandene Sprachen und anders als die meisten anderen Plansprachen besitzt das Esperanto eine regelmäßige Grammatik ohne Ausnahmen sowie eine klare Morphem-Graphem-Relation, also einer eindeutigen Zuordnung eines Buchstabens zu einem bestimmten Laut. So lassen sich grammatikalische und phonologische Regeln schnell einprägen und anwenden.

Trotz aller Erfolge hat auch Esperanto allerdings einen kleinen Haken. Die Sprache orientiert sich sehr an den europäischen Sprachfamilien. Asiatische oder afrikanische Einflüsse sind so gut wie gar nicht zu finden. Dennoch hat Esperanto es geschafft, sich bis heute zu halten und wer weiß, vielleicht macht sich auch hier früher oder später ein Sprachwandel bemerkbar und irgendwann können wir hier wirklich von einer „Weltsprache“ reden.

 

 

 

 

 

Der Rubel rollt

Die weltweite Wirtschaft scheint aus den Fugen zu geraten und die unterschiedlichsten Währungen sind derzeit in aller Munde. Aber woher kommen die Namen der einzelnen Währungseinheiten? Was hat der Dollar mit Slowenien zu tun? Und wieso bezieht sich die Lira auf das Wiegen von Waren?

Fangen wir am Besten von vorne an. Der Tausch von Gütern zu vorher vereinbarten Konditionen ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Bereits 2000 Jahre v.d.Z. wurden Schnecken oder Muscheln als Zahlungsmittel in China verwendet. Schon zu diesem Zeitpunkt soll es übrigens auch das erste Falschgeld gegeben haben.

Im europäischen Sprachraum hat sich die Entwicklung von Münzgeld seit dem 7. Jhdt. v.d. Z. entwickelt. Durch die Erkenntnis, dass es nun eine verbindliche und einheitliche Tauschwährung gab, die einen festen Wert besitzt, hat sich das Produkt Münzgeld schnell durchsetzen können. Woher kommen nun aber die verschiedenen Namen für unsere Währung?

Fangen wir mal mit der guten alten Mark an. Hier gibt es zwei Erklärungen über den Ursprung. Zum einen könnte der Begriff auf die alte germanische Wurzel <marka> zurückgeführt werden, die mit Teilung oder Geteiltes übersetzt werden kann. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass früher die Gewichtstücke zum Wiegen von Waren mit einer Marke versehen worden sind. Diese Gewichtstücke wurden genutzt um den Wert der Ware festzulegen, sodass sich im weiteren Verlauf die Bezeichnung Mark für eine Geldeinheit durchgesetzt hat.

Der Dollar hat seinen Ursprung ebenfalls im deutschen Sprachraum, er leitet sich von dem Taler ab. Dieser wiederum hat seinen Namen vermutlich daher, dass er ursprünglich im Joachimstal (jetzt Tschechische Republik) hergestellt wurde. Er war also ein „Joachimstaler“.

Interessant ist die Verbindung zwischen dem ehemaligen österreichischen Schilling und dem ehemaligen portugiesischen Escudo. Beide könnten sich aus den jeweiligen Begriffen für „Schild“ herleiten. So lässt sich der Escudo vom lateinischen <scutum> ableiten, während der Shilling sich aus dem germanischen <*skildulingaz> entwickelt haben könnte.

Zuletzt ein Beitrag aus dem fernen Asien. Der japanische Yen hat seinen Ursprung in der chinesischen Sprache. Dort bezeichnet der Begriff <yuan> lediglich einen runden Gegenstand. Theoretisch könnt somit jeder Knopf als Yen genutzt werden. Ob die Händler diesen jedoch als Zahlungsmittel akzeptieren, sei an dieser Stelle mal offen gelassen.

 

 

Eine (kleine) Trendwende?

Seit längerer Zeit geht man in der Wissenschaft davon aus, dass die Anzahl der Sprachen weltweit immer weiter abnimmt. Aktuell liegt die Anzahl der gesprochenen Sprachen laut Ethnologue, einem linguistischen Sammelwerk  das sich darum bemüht alle Sprachen der Welt zu klassifizieren, bei 7102 Einzelsprachen.

Demnächst könnte wieder eine neue Sprache hinzu kommen. In dem Vielsprachenstaat wurde jetzt von Wissenschaftlern eine Sprache entdeckt, die von etwa 280 Personen gesprochen wird. Die Sprache, Jedek, unterscheidet sich von allen anderen Sprachen, die in dem Gebiet gesprochen werden, sodass sie von den Entdeckern als eigenständige Sprache und nicht als Dialekt eingestuft werden konnte.

Aufgrund der geringen Sprecherzahl ist es allerdings unwahrscheinlich, dass Jedek noch lange überleben wird. Bleibt nur zu hoffen, dass die Klassifikation früh genug abgeschlossen sein wird, bevor alle Sprecher*Innen verstorben sind.